Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554780--05216-2561168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 an, die Israel gehen muß, damit es dem göttlichen Heilsplane diene. Weder irgend einer von diesen Allen, noch das Volk selbst, noch ein anderer Mensch wissen aus sich selbst das Allergeringste von dem Rathe Gottes. Jeder Mensch, auch der Frömmste, weiß von sich selbst nur das Eine gewiß, daß er den Tod als gerechten Lohn der Sünde ertragen muß. Ohne die Gnade Gottes, die ihm aufschließt, auf welche Weise sie den heiligen Zorn Gottes in eine erlösende Liebe zu verwandeln im Stande ist, bleibt der Mensch in dieses natürliche Leben eingeschlossen und gebannt. Also, daß cs ein Neues für ihn geben soll, hat er allein der freien Barmherzigkeit Gottes zu danken; daß er davon erfährt und weiß, allein seinem Wort, seiner Offenbarung; und wie dieses Neue für ihn bereitet, wie es in stets neuen Wendungen zum Ziele hingeleitet wird, das sagt ihm kein eigenes Forschen, kein Denken und Grübeln seiner natürlichen Vernunft, sondern das Wort Gottes, welches ihm die Tiefen und Geheimnisse des göttlichen Herzens aufthut. An das Wort der Gnade, an die Verheißung ist deshalb der Mensch gebunden. Und Gott läßt den Thaten seiner Gnade immer ein Wort vorausgehn, welches seinen heiligen Rath verkündigt oder zusagt. Diesen Weg schlägt er ein, damit der sündliche Mensch es lerne sich an die Barmherzigkeit Gottes allein zu halten, und damit er nicht etwa nur die Gaben desselben als etwas Selbstverständliches annehme, im Ucbrigen aber bei seinen eigenen Gedanken und seinem eigenen Sinne bleibe. So will es Gott dem sündlichen Menschen einprägen, daß die Gnade sein einziges Heil ist. Von dem ersten Augenblicke an, da er gesündigt hat, soll der Mensch es wissen, daß er keinen Schritt mehr thun könnte, wenn nicht die Gnade sich seiner erbarmte, und jederSchritt vorwärts soll ihm das immer neu und ernstlich bezeugen. Die göttliche Gnade verheißt es den sündig gewordenen Menschen, daß sie trotz des verdienten Todes Eltern eines großen Geschlechtes werden sollen; sie will aber auch zwischen den in verderblicher Freundschaft Einsgewordenen eine Feindschaft, einen Krieg erwecken, in welchem der Same des Menschen allerdings den verdienten Lohn seiner Sünde tragen, zuletzt aber doch einen völligen Sieg, ein Ende des Friedens gewinnen wird.