Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Menschen angedroht worden, daß diese Gemeinschaft aufhören und eben deshalb das Leben ihm wieder genommen werden würde, falls er sündigte. Die Uebertretung des göttlichen Willens geschieht, und das Alte Testament berichtet, wie in der That die angedrohte Strafe Gottes zum Vollzüge kommt. Gott hatte nicht in unwahrer Weise den Menschen abschrecken wollen, denn der Grundsatz: „der Zweck heiligt die Mittel," gilt bei ihm nicht, sondern es zeigte sich, daß seine Worte ernst gemeint waren. Das sündlich gewordene Leben ist dem Gerichte Gottes verfallen, es wird wieder aufgelöst und der Leib zur Erde. Und läßt Gott dieses Gericht nicht sogleich im ersten Augenblick des Sündigens sich völlig und ganz vollziehn, bleiben Adam und Eva nach dem Falle noch leben, so steht doch ihr anerschaffenes, natürliches Leben unter dem Urtheil und Fluch des Todes. Der sündliche Mensch mit seinen eigenen Kräften und mit seiner angeborenen Art ist jetzt von Gott geschieden. Aus sich selbst und durch sich selbst kann er es nicht dahin bringen, daß er Goltes Wohlgefallen erlange und damit auch sein Leben behalte. Seine Tage eilen zum Ende, und die Frommen des Alten Testamentes klagen: das macht dein Zorn, daß wir so vergehn. Andererseits aber zeigt das Alte Testament, daß Gott den sündlich gewordenen Menschen nicht sofort die ganze Schwere seines Zornes erfahren läßt. Der Mensch ist nicht aus eigenem Antrieb zur Uebertretung des göttlichen Willens gekommen. Nicht die natürliche Sinnlichkeit oder irgend eine andere eigene, angeborene Anreizung hat den Menschen zum Sünder gemacht, sondern ausdrücklich sagt das Alte Testament, daß fremde Verführung die bisherige Richtung seines Willens und seiner Sinne verkehrt hat. Darum giebt nun aber Gott den Menschen nicht sogleich für immer dran; er will ihn nicht dem feindlichen Willen und dem Verderben, welches daraus für den Menschen folgt, überlassen, sondern ihn wieder für sich und sein Heil gewinnen. Gott wird damit nicht seinem Worte untreu, sondern ihm bleibt die innere Möglichkeit so zu handeln, weil der Mensch zu seinem Ungehorsam nicht aus alleiniger Selbstentscheidung, sondern aus böser Nachgiebigkeit gegen einen fremden Willen gekommen ist. Die Art des Falles bestimmt die Art des göttlichen Gerichts. 11*