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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 9-10 (1869) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
9-10 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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149 geopfert werden, um aus seinen Trümmern ein neues, hingebendes Gefäß zu bilden, von dem aus die religiöse Idee den Kampf mit der gesammten Menschenwelt übernehmen könnte. Es war die Selbstüberwindung des jüdischen Stammes, welche diesen Sieg bewirkte. Diese Selbstüberwindung geschah mit vollem Bewußtsein, denn die Propheten sprechen es überall, wenn auch mit tiefem Schmerz aus, daß ihr Volk fallen müsse, um aus seinen Trümmern neu für die religiöse Idee zu erstehn. In diesem Kampfe konnten die Propheten nicht daran denken das mosaische Gesetz dem Volke zu predigen, das Gesetz ohne die Idee wäre leere Form gewesen. Ja von diesem Standpunkte aus mußten sie sogar das bekämpfen, was vom mosaischen Gesetz übrig geblieben war, weil es als leere Form der Idee widerstrebte. Jesaias ist gegen die Opfer, gegen die Feste, gegen das Fasten. Das Leben hatte mit der Idee gebrochen, jetzt trat die Idee für sich allein, gespalten vom Leben, auf. Diese Trennung war unmosaisch und ein großer Schade, denn die religiöse Wahrheit ist Vereinigung der Idee und des Lebens. Aber sie war durch den Verlauf der Entwickelung bedingt. Der große Fortschrilt ist jedoch der, daß der Prophetismus die religiöse Idee nicht bloß für Israel, sondern für die gesammte Menschheit in Anspruch nimmt. Die Erkenntniß des einzigeinen Gottes und die Verwirklichung der allgemeinen Liebe wird einst die ganze Menschheit vereinigen. Israel aber wird durch die göttlichen Strafgerichte geläutert und dann wiedererhoben oder wiederhergestellt werden. Das aber wird als Erweis der Wahrheit der in Israel vorhandenen religiösen Idee dienen und alle Völker zur Erkenntniß bringen. So ist Israel der Märtyrer der Menschheit für den Sieg der religiösen Idee. Dies auch der Inhalt des 53. Capitels Jesaias. Der Prophetismus greift, als der Bruch zwischen der Lehre und dem Leben eingetreten war, die Lehre heraus und durcharbeitet sie. Er erfocht auch den Sieg, daß, als nun Israel aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrte, das Heidenthum in ihm überwunden war. Aber dem Mosaismus kam es nicht allein auf die Lehre an, auch jetzt konnte das Judenthum nicht bei derselben stehn bleiben. Herz und Geist des ganzen Volks waren seit der Rückkehr aus der Verbannung

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