Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Damit der gottebenbildliche Geist nicht im Weltleben untergehe, werden ihm Zeiten gesetzt, an welchen er von seinem Erdenberuf ruhen soll; absichtliche Verletzung derselben galt als Vernichtung des ganzen Mosaismus. Die Feste wollten theils an das Nationale, die Geschichte, theils an die Gaben Gottes im natürlichen Leben, theils an die allgemein menschliche Störung des Lebens durch die Sünde erinnern. Eine besondere Zeit wurde verordnet, in welcher die Sünde durch Reue aufgehoben werden sollte. Dies ungefähr der Inhalt des Mosaismus. Die religiöse Idee, welche in dem Gefäß des jüdischen Stammes erhalten wurde, um aus diesem heraus zu seiner Zeit auf die gesammte Welt wirken und instuiren zu können, stand nun aber in dem Volke Israel im Gegensatz zur menschlichen Idee desselben oder zum Heidenthum. Die religiöse Idee sollte daher zuerst das Heidenthum in ihrem Träger, dem jüdischen Stamme, überwinden, um ihn vollständig zu ihrem ganz hingegebenen Gefäß zu machen. Das Product dieses Kampfes ist der Prophetismus. Es lag in der Natur des Menschen das Heidenthum zu produciren, und die Israeliten waren Menschen. Daher fiel das jüdische Volk durch seine ganze erste Zeit immer wieder ins Heidenthum zurück, und Moses starb mit dem vollen Bewußtsein, daß sein Volk diesem Kampfe entgegensehe. Gegenüber den Machthabern und dem Königthum, welche dem Heidenthum immer mehr sich ergaben, entstand in der weiteren Geschichte Israels eine Volkspartei, welche den Mosaismus zu erhalten strebte. Männer des Volks waren es und Männer aus dem Volke, welche auf das Volk wirkten, die Sache des Volks führten. Die Priester, von Moses ursprünglich zu dieser Rolle bestimmt, ließen sich vom Glanz der Krone anziehn und wurden nicht die Vertreter des Mosaismus, sondern die Propheten traten an ihre Stelle. Zum Schutz der religiösen Idee standen die Propheten auf: als eine geistige Macht, als eine Macht des Worts, der Ueberzeugung. Ihre Aufgabe war erst vollendet, als die religiöse Idee im jüdischen Volk unerschütterlich befestigt war, zur Zeit des zweiten Tempels. Aber darüber mußte das jüdische Volk in seiner nationalen Selbstständigkeit