Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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145 mehr zum Besonderen werden ließ. Gott ist außerweltlich und eine Einheit. Die Welt ist eine Einheit, Alles in ihr übereinstimmend, Alles nochwendig, Alles gut. Der Mensch, die Einheit von Geist und Leib, ein dualistisches Wesen; von Seiten des Geistes Gott ebenbildlich und Gott zugewandt, mit seinem anderen Theile aber auf die sinnliche Welt gerichtet. Der Mensch ist mit der Bestimmung geschaffen Gott immer ähnlicher zu werden, frei und sich selbst bestimmend, mit der Möglichkeit zur Sünde. Der Schöpfer steht zur Welt in unmittelbarer Beziehung durch die fortwährende Lenkung der Menschengeschicke, als Richter über die Handlungen der Menschen und durch die Offenbarung. Die Offenbarung ist die vollendete Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen. Weiter aber will der Mosaismus, daß aus ihm ein religiöses Diesseits hervorgehe. Deshalb hat er nicht blos die Sittlichkeit, sondern auch die Gesellschaft, nicht blos die Tugend, sondern auch das Recht, nicht sowohl seiner Behandlung unterzogen, als vielmehr aus sich herausgeschaffen. An ein bestimmtes Volk unter bestimmten Umständen in einer bestimmtenZeit sich richtend hat er nicht allgemeine Grundsätze aufgestellt, sondern dieselben zumeist eingekleidet in bestimmte, specielle Gesetzesvorschriften, aus denen wir aberdie allgemeinenZdeen herauözuziehenhaben. Aus dem Buchstaben der mosaischen Schrift ist die mosaische Zdee zu finden. Zur Vermeidung von Willkühr sind dabei zwei Regeln zu beobachten: 1) aus dem Speciellen muß der allgemeine Inhalt gezogen werden; 2) Zeit und Verhältnisse müssen abgezogen werden, um das in allen Zeiten und Verhältnissen Geltende übrig zu behalten. Das oberste Princip der Sittlichkeit im Mosaismus ist dann: Du sollst dich heiligen, wie der Ewige, dein Gott, heilig ist. Daraus ergiebt sich 1) die Grundlagen des Guten liegen nicht im Menschen selbst, sondern in Gott; 2) die Heiligung ist nicht eine nur formelle, sondern das geistige und praktische Leben muß diese Heiligung ausführen, da bei Gott keine Form, sondern Eigenschaft und That heilig ist; 3) dieser Grundsatz begreift die Einheit des ganzen Menschen, die Heiligung muß Religion, Sittlichkeit und bürgerliches Leben einheitlich zusammenfaffen. 10