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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 9-10 (1869) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
9-10 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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144 lassen muß. Die jüdische Religion ist darum eine Religion des Diesseits, das Christenthum eine Religion des Jenseits. Der Geist Mosis ist nicht auf die allgemeinen Lehren gerichtet, sondern darauf: das ganze gesellschaftliche Leben durch die Gotteslehre zu bewältigen. Er hat Gottes Wesen und Willen, so weit es einem Menschen möglich ist, erkannt, aber auch eine Entwickelung für nothwendig gehalten. Denn er selbst sagt 5. Mose 3, 24 zu Gott: du hast angefangen deinen Knecht sehn zu lassen deine Größe und deine starke Hand. Das ist von vornherein festzuhalten, wenn das Gesetz Mosis untersucht wird: der Plan Gottes, welcher im Mosaismus seine erste Verwirklichung anstrebte, ist die fortschreitende Entwickelung des Menschengeschlechts. Diese ist deßhalb auch das große Princip des Judenthums; natürlich wird aber der ewige Gehalt desselben davon in keiner Weise berührt. Die fortschreitende Entwickelung liegt in der ganzen Tendenz der heiligen Schrift, selbst die Gerichte, wie z. B. die Fluth, sind nur Mittel dieselbe zu sichern. Und daß ein stetiger Fortschritt stattfindet, fordert der rechte Begriff der göttlichen Vorsehung. Diesen Fortschritt müssen wir als eine auf Thatsachen beruhende Ueberzeugung besitzen. Das Religionsvolk Israel aber hat die Aufgabe empfangen die Gotteslehre zu erhalten, durchzuarbeiten, für die gesammte Menschheit zu bewahren und zu bezeugen, bis diese zu ihr gänzlich herangcreift sein würde. Und in der Thal erscheint auch Israel stets mehr oder minder dieser seiner Aufgabe hingegeben. Der Mosaismus nun, die erste Stufe der jüdischen Religion, ist die Einheit von Lehre und Leben. Er zuerst faßt die Bestimmung des Menschen richtig auf; denn sie besteht nach ihm darin, daß der Mensch in der Entfaltung aller seiner Kräfte ein intellektuell und sittlich immer ausgebildeteres und vollkommneres Wesen werde. Aber der Mosaismus erfaßt den ganzen Menschen d. h. den Menschen nicht als Einzelwesen, sondern in der Gemeinschaft, und begreift den Menschen in allen seinen Beziehungen als Einheit, sowohl religiös als social. Alle Religionen und Philosopheme des Alterthums gehn vom Menschen aus, der Mosaismus von Gott. Gott ist, darum die Welt. Der große Inhalt des Mosaismus ist dann folgender: Gott ist das absolute Sein. Die Welt sein Werk, indem er das Allgemeine immer

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