Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 \ des Uebersinnlichen zu gelangen, aber die wabre lebendige Erkenntniß des göttlichen Wesens konnte er nur durch unmittelbare Einwirkung der Gottheit, nur auf dem Wege faktischer Offenbarung erlangen. Der Menschengeist erkennt alle Dinge nur aus ihrem Gegensatz; ein rein positiver Begriff kann also von uns nicht erlangt werden, sondern muß gegeben sein. Die alten Religionen begreifen Gott nur durch den Gegensatz; selbst das Christenthum kennt das Gute nur im Gegensatz zum Teufel, dem Princip des Bösen. Unmittelbar steht Gott nun wohl auch zum Menschen durch die Geschichte mit ihrer göttlichen Vorsehung und Vergeltung. Aber nur langsam gelangen die Ergebnisse der Geschichte zu allgemeinerer Erkenntniß. Weil der Pfad zur Wahrheit und zum Recht daher ein unsicherer für den Menschen war, so war auch eine Offenbarung nöthig. Ein unmittelbares Verhältniß nimmt Gott zum Menschen ein, das ist der große Grundsatz des Judenthums, welches nie eine Mittlerschaft duldete. Unmittelbar auch in der Offenbarung? Nein, diese wurde zuerst dem Volke Israel gegeben. Abraham, der Vater Israels, erkannte allein unter allen Menschen durch sich selbst den einzigeinen allmächtigen Gott, Schöpfer Himmels und der Erde. Um diese rechte Religion zu erhalten, zieht er nach Canaan. Durch eine wundersame Fügung und Verkettung des Geschicks wächst seine Nachkommenschaft in Aegypten zu einem Volke heran. Die von Abraham her überlieferte Lehre wird am Sinai durch Moses dem israelitischen Volk als göttliche Offenbarung zur Anerkennung und Wahrung für alle Zeiten übergeben. Diese Lehre mußte dann das Heidenthum im Volke selbst überwinden; die ersten 1000 Jahre des Wohnens Israels in Canaan waren dem Kampf zwischen der Gotteslehre und dem Heidenthum im Innern gewidmet. Nach langen Kämpfen in den ferneren Jahrhunderten, welche große Ausscheidungen herbeiführten, war endlich ein gottgetteuer Kern gewonnen, der aus der Verbannung zurückgekehrt in Palästina selbst wohnte. Nun ging das heidnische Alterthum seiner Auflösung entgegen. In Israel war die Gotteslehre schon zum Siege gekommen, jetzt sollte auch in der übrigen Welt der Kampf zwischen der Gotteslehre und dem Heidenthum ausgenommen werden. Deßhalb wurde Israel aus seinem kleinen Lande heraus und in die Menschheit