Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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139 in 1000 Länder. Ein Mustervolk sollte Israel durch sein Gesetz werden. Da es diese Aufgabe nicht erfüllt hat, so hat es der Allmächtige in die ganze Welt zerstreut und so es nicht allein von allen Schlacken gereinigt, sondern auch jeden einzelnen Israeliten als Verkündiger der Wahrheit und als lebendigen Träger des Gottesworts unter die Völker gesandt. Die Zerstörung Jerusalems sollte die Hülle sprengen, damit der Same der reifen Frucht unter alle Völker gestreut würde. So hören wir. Was Wunder, wenn bei dieser Lage der Dinge das Gebetbuch hinzufügt: jeder Israelit hat auch Antheil an der zukünftigen Welt! In die Fremde ist Israel mit seiner Thorah gezogen. Das Gesetz Gottes kann nicht vertauscht werden, ist nicht veränderlich. Aber die Thorah erleuchtete Israel als Sonne, so lange es in seinem Lande lebte. Für die Nacht der Verbannung aus dem Vaterlande ist das mündliche Gesetz, der Talmud, der Mond Israels geworden. Die Gebote, welche sich an das heilige Land knüpften, haben mit dem Verlust desselben aufgehört; die stch an die Person des Juden knüpfen, bleiben verpflichtend. Die Thorah ist der Quell aller religiösen Lehren Israels geblieben. Die großen Lehrer Israels haben bis heute in demselben Geist gelehrt, wie ihn Moses vom Sinai empfing. Sie Alle haben nichts hinzugethan und nichts abgenommen! nur Mauern haben sie um den kostbaren Garten gezogen! Nachdem die Bibel als Religionsquelle anderer Bekenntnisse angenommen war, wurde die traditionelle Auslegung des Gesetzes das für das Judenthum Unterscheidende. Alles war für das Judenthum fertig und gegeben in dem Worte der Offenbarung. Zurückführung des Gegenwärtigen auf das Alte, Hineinbildung des Alten in das Gegenwärtige ist dann der Grundzug der ganzen Thätigkeit, welche der jüdische Geist übte. Es konnte keinen neuen Gedanken geben, der nicht in der Schrift irgendwie angedeutet, eingehüllt lag; kein neues Verhältniß, dafür nicht dort ein Vorbild zu finden war. Es bedurfte nur eines glücklichen Tauchers, der aus dem Meere die verborgenen Schätze zu holen verstand. Diese Voraussetzung liegt der ganzen Thätigkeit zu Grunde, aus welcher der Talmud hervorgegangen ist. In der Offenbarung am Sinai haben schon dem Geiste und der Möglichkeit nach die Keime zu allen weiteren Entfaltungen des reli-