Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 uns (Juden) ganz rein, als Sieger über die widerstrebende Menschennatur. Jede Neigung, jedes Vergnügen an der Sünde sei am Passah entfernt, nicht eine Spur des Sündhaften soll zurückbleiben. Ebenso aber haben alle übrigen der 613 Gebote des Gesetzes Mosts ihre innere Bedeutung. Sie haben allzumal die Bestimmung, das edelste, von den edelsten Vorfahren abstammende Volk heranzubilden. Israel ist ja ins Verhältniß zum Höchsten und Vollkommensten gesetzt; es soll die Wahrheit nicht allein verkündigen, sondern auch gestalten auf Erden. Sittenreinheit, Tugend, Recht, Barmherzigkeit, Milde, Bescheidenheit, Kraft, Reinheit in Speise und Trank, Reinheit im Familienleben, stetes Bewußtsein der Gottangehörigkeit bei der Gewinnung und Verzehrung des täglichen Brotes, stetes Bewußtsein der Gottangehörigkeit bei der Eintheilung und Verwendung der Zeit, Heiligkeit des Ehelebens, Heiligkeit des Besitzthums, Achtung der Rechte des Nebenmenschen, Unterwerfung des Körperlichen dem Geiste, Vorbereitung für ein ewiges Leben, Bewußtsein von Belohnung und Bestrafung im Jenseits, das sind einzelne Zweige vom Baume der Wahrheit, die darzustellen das Leben des jüdischen Staates in seiner Gesammtheit, und das jüdische Volksleben in seiner Vereinzelung bestimmt war, bestimmt ist. Diese Gesetze erhalten den Stoff, den Leib, stets so, daß er befähigt bleibt für die edle Form. Die göttlichen Gebote prägen das göttliche Siegel der gottgeweihten Form auf das Antlitz des frommen Israeliten. Wenn Form und Stoff gemeinsam die höchste Vollkommenheit erreichen werden, dann wird der Erlöser nicht mehr auf sich warten lassen; er ist da, wenn sie da sind. Die unendliche Erörterung aller einzelnen der noch für gültig erklärten Geboten des Gesetzes Mosis bis ins unglaublichste Detail bildet sodann das eigentliche Thema der orthodoxen Litteratur. Wir brauchen auf das Einzelne nicht näher einzugehn; das Princip tritt aus dem Obengesagten deutlich genug hervor. Nur Weniges wird noch besonders hervorzuheben sein; so die Ansichten der Orthodoxie über etliche Fragen des Staatslebenö. Da hören wir: Die Staatssorm der Bibel ist die constitutionelle. Der