Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1869-01-01 · 9-10 (1869) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
9-10 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554773-2554779--05184-2561135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 sein soll. Denn vom Herzen geht der Lebensquell aus. Die Verstandeslehre muß Herzenssache, Sache unseres Gefühls werden. Die immer gütigen Ansprüche des Gesetzes, welche in seinen Vorschriften zu Tage treten, sind die stummen Hieroglyphen religiöser Gedanken. Im Unterschiede von allen Religionen der Zeit, in welcher sie entstand, ist aber die jüdische Religion keine Religion des Genusses und der Bequemlichkeit; sie legt ihren Bekennern unsägliche Opfer und Entbehrungen auf. Ihre Wege führen zu himmlischen Genüssen, aber sie führen nicht zur Behaglichkeit und irdischen Freude. Die jüdische Religion hat die Aufgabe, das Leben ihres Bekenners zu heiligen und es im irdischen Genuß zu beschränken, damit es für höhere geistige Genüsse desto empfänglicher sei. Aber noch größer als die Beschränkungen der Religion mit ihren zahlreichen Geboten und Verboten sind die Beschränkungen , welche dem Juden wegen seiner Religion die ganze ihn umringende Welt auferlegt. Er ist sein ganzes Leben hindurch geplagt und verfolgt; er ist ein religiöser Dulder von der Wiege bis zum Grabe. Das ganze Leben des Juden ist ein religiöses Märtyrerthum, und gleich bei seinem Eintritt in die Welt, bald in der Morgenstunde seines Lebens, wird ihm mit seinem Leibesblute gleichsam seine zukünftige Bestimmung vorgezeichnet. Ein Blutopfer auf dem Altar des Gottesglaubens bringt der junge jüdische Weltbürger dar. Dann läßt ihn die Religion frei für die ersten Jahre seines Kindesalters; seine physische Entwickelung soll nicht durch Gebote und Verbote beschränkt werden. Aber wenn nun der gottähnliche Theil in ihm erwacht, dann tritt das jüdische Gesetz an ihn heran mit seinen Forderungen. Das Zizith- Gebot, das Gebot der Schaufäden an den Ecken der Kleider, hat er zu erfüllen. Dasselbe hat die großartige Bestimmung ihn an die Weltherrschaft Gottes und an des Juden eigenthümliche Mission zu mahnen, und damit er sie erfülle, ihn mit tausend Fäden an das Gesetz Gottes zu binden. Am Passah soll sich Israel seiner Aufgabe bewußt werden als auserwähltes Volk den endlichen Sieg des Guten und der Tugend auf der ganzen Erde herbeizuführen. Die Mischung aus gesäuerten und anderen Dingen ist ein Bild des gewöhnlichen Menschen, in welchem Tugend und Laster kämpfen. Das Passahfest finde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.