Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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133 ernsten Forscher, dem tiefblickenden, für höhere Weisheit empfänglichen Manne. Für die große Menge verlangt Moses nicht diese verborgene Thorah, sondern nur leicht faßliche Lehren und Gesetze. Aber damit ist die ganze untheilbäre Thorah dem Menschengeschlecht gewonnen. Das Höchste ist nun erreichbar, die Ergründung der tiefsten Geheimnisse, das Schauen der höchsten Wahrheit. Das ist die höchste Beseligung, wenn der Mensch es vermocht hat die verborgene Weisheit der Thorah sich zu eigen zu machen, wenn er eingedrungen ist in die tiefsten Geheimnisse der Weltschöpfung, der Weltlenkung und in das Wesen des eigenen Jchs, wenn sein Geist die Schwingen emporzuheben vermag, und der Körper derart vergeistigt ist, daß er kein Hemmniß ist zu erhabenem Fluge: rein der Wandel, heilig das Thun, nur gut das Wünschen und Sehnen — mit einem Wort, wenn der Mensch sich eins fühlt mit seinem Gott und dieser Einheit selbstbewußt sich freut. Daher sagt auch das Gebetbuch der Synagoge: Das Forschen im Gesetz hält allem Anderen das Gleichgewicht; und in den Pirke Aboth lesen wir: Gelehrsamkeit, das religiöse Wissen, ist das Höchste für einen Israeliten. Und die That ist das große Geheimniß der geoffenbarten Religion Israels, das jedem zugänglich ist. Den Vätern ist es so hoch angerechnet worden, daß sie am Sinai den Entschluß zur That dem zum Verständniß vorausgeschickt haben. Durch die vollendete, vollkommene That, durch die Freude mit ihr und in ihr wird die Vereinigung mit Gott vollzogen, selbst ohne das Wissen von dem geheimen Zusammenhänge. Das Judenthum ist die Religion der That, welche mit der Schöpfung beginnt; die Erinnerung an diese Thaten soll festgehalte» werden, sowohl an die geschehenen als an die gottgebotenen Thaten. Die goltgebotenen Thaten sind theils Selbstzweck, theils symbolische Träger historischer Erinnerungen, theils symbolische Träger erhabener Wahrheiten und Grundsätze. Indem nun die Religion des Judenthums die Wahrheit selbst enthält, besitzt sie dieselbe aber in praktischer Weise. Gott paßt die Wahrheit den Verhältniffen an, und aus der praktischen Wahrheit der Thorah können wir alsdann die reine Wahrheit loslösen und erfassen.