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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 9-10 (1869) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
9-10 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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131 von Seiten der Aeghpter machte jede göttliche Erhebung und höhere Gesinnung unmöglich. Da wird es nöthig das fast erloschene Andenken der Väter in dem Gedächtniß wachzurufen und durch die göttliche Offenbarung ihm Festigkeit zu geben. Es bedurfte nur der Erinnerung an den Gott der Vorfahren, um dem jedes höheren geistigen Begriffs baarem Volk Empfänglichkeit für die höchsten Ideen zu verleihen. Am Sinai verpflichten sich die Israeliten dazu ihren Geist durch die Ausübung der im Gesetz vorgeschriebenen Satzungen zu läutern und die Reinheit ihrer Seelen zu bewirken, um das erhabenste Wissen fassen und begreifen zu können. Im Unterschied von anderen Völkern, welche ihre Bedeutung auf dem Gebiet der Entwickelung und Entfaltung des natürlichen Lebens haben, es sei im Handel und in Erfindungen, in Wissenschaft und Kunst, in Bauten und Ausbauung der Rechtstunde oder in weltgeschichtlichen Staatenbildungen, sollte Israel die Menschheit sich selbst erkennen und schätzen kehren, sollte ihr die höchste, Alles in sich begreifende Wahrheit der Gotteserkenntniß bringen. Die Frage aber, warum Gott gerade das ungebildete Sklavenvolk Israel hierzu erkoren, warum er, wie Schiller sagt, diesen unreinen Canal erwählt habe der Menschheit das edelste aller Güter, die Wahrheit, zuzuführen, ist an sich nicht richtig. Lessing hat ganz falsch gemeint, Gott habe ein rohes Volk, mit dem er von vorn anfangen mußte, erzogen, um dasselbe so viel sicherer als Erzieher der anderen Völker gebrauchen zu können. Sondern im Gegentheil: Gott ist gerecht gegen alle seine Geschöpfe. Dem Abraham ist es aber allein gelungen durch eigenes Nachdenken die ganze, volle und ungetrübte Wahrheit zu erkennen, sonst keinem vor oder nach ihm. Dafür hat Gott sein redliches Streben nach Verdienst belohnt. Israels Vorzug beruht auf dem Verdienst seiner Väter, um desselben willen ist es berufen Gottes Volk zu sein. Und das Volk hat auch selbst des Verdienstes seiner Väter sich theilhaftig gemacht. Denn es hat dem Entgegengehn des Gesetzes am Sinai den Entschluß zur That vorauögeschickt. Seine Aufgabe hat es sich also wohl erworben. Beweis ist der Prophet Hosea Cap. 2, 21, 22, dessen Worte so lauten sollen: Daß ich mich mit dir, Israel, verlobte, geschah mit Recht und Gerechtigkeit (da näm- 9*

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