Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 9-10 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Schlimm ist nur die einseitige Entwickelung, welche diesem Triebe die unbedingte Herrschaft überläßt. Die Sünde tritt da ein, wo der böse Trieb die Macht des Geistes überwiegt. Eine solche einseitige Entwickelung hat nun sogleich bei dem ersten Menschen stattgefunden; darum hat er auch das Paradies verloren. Seiner Richtung aber ist die Menschheit gefolgt; sie soll jedoch das Paradies wieder erringen und die ganze Erde zum Paradiese machen. Die Menschheit aber verfehlt ihren Beruf. Schon die Enkel Adams, das Geschlecht des Enosch, verfallen in Götzendienst. Immer verderbter wird die Menschheit, die endlich bis auf eine einzige Familie durch die Fluth hinweggerafft wird. Aus dieser Familie ersteht ein neues Menschengeschlecht, aber auch in ihm keimen die alten Sünden mächtig empor. Und von da ab ist die Menschheit auf diesen Bahnen immer weiter gegangen; sie folgte dem natürlichen Verlauf der Dinge, welcher bei den Elementen und den fünf Sinnen, bei dem Materiellen und der Sinnlichkeit bleibb. In verschiedenen Formen wird dieses Streben der Geist der Zeiten, und dieser Zeitgeist gewann die Herrschaft. Der Menschengeist, welcher doch ein Spiegel ist, der in sich das Unendliche aufzunehmen und zurückzustrahlen vermag, ließ sich von der Sinnenlust gefangen nehmen und dieselbe umhüllte ihn mit dem Gewände der Täuschung. Da erschien Abraham. Derselbe hat durch seine Philosophie Gott als den Einzigeinen erkannt. Er wird darum von Gott erlesen der Stammvater des Volkes zu werden, welches das Herz der Menschheit bilden, das edle, echte Menschthum zur Vollendung bringen soll. Abraham ganz allein unter dem ganzen Menschengeschlecht seiner Zeit hat von Neuem das alte Gotteslicht wieder angezündet. Dieser Eine, der Gott erkannte, hat gegen die ganze Welt gekämpft. Sein Vater und seine Brüder sind Götzendiener, der mächtigste König der Erde, Nimrod, läßt ihn in einen glühenden Kalkofen werfen (I). Er steht allein entgegen den Bestrebungen der Zeit, dem Thurmbau, und verläßt endlich Heimath, Familie, Vaterland, um als Fremdling im fernen Lande umherzuirren. Diesen Abraham nun hat Gott erwählt, daß von ihm das Mustervolk Israel abstamme. Isaak, Jakob und seine Söhne treten in Abrahams Fußtapfen. Aber die unmenschliche, knechtische Behandlung