Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 7-8 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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119 kömmlinge, finden wir deßhalb sehr verarmt. Der Wucher und Betrug gewannen schnell, verschleuderten aber das Erworbene ebenso rasch, und die Plünderungen thaten außerdem das Ihre, um stets die Juden unter dem Drucke zu erhalten. Auf eben so niedriger Stufe stand der Jugendunterricht sammt der ganzen geistigen und religiösen Entwickelung. Der hohle Buchstabendienst, das kleinliche Formenwesen, die Herrschaft einer dreisten und unwissenden Priesterschast lähmten auch im Inneren die jüdische Gemeinde. Polnische Rabbiner überschwemmten die deutschen Gegenden und übten eine grenzenlose Tyrannei aus. Die Knaben, deren Unterricht sie leiteten, wurden ihre Sklaven, die Mädchen lernten gar nichts. Alle Religionsübungen ein leerer Mechanismus, der Gottesdienst ohne Andacht und Würde. So stellt Steinheim (ein jüdischer Schriftsteller) jene Vergangenheit dar. Die natürliche Folge war gegenseitiger Haß und Verachtung unter Juden und Christen. Die Juden nannten die Christen nur noch Heiden und schmähten in ihren Schriften die Kirche, was rechtgläubigen Lehrern derselben Anlaß gab, die Juden nur noch größerer Verachtung preiszugeben. Wagenseil und Eisenmenger haben sich in dieser Beziehung keinen edlen Ruhm erworben. Die Juden aber blieben bei dem Heiligendienst der Katholiken und den Zänkereien der Protestanten über das Christenthum in tiefer Unwissenheit. Darum galten ihnen die Christen als Götzendiener, deren Andachtsübungen sie heimlich verspotteten. Daher denn die Bekehrung der Juden von den einfichtsvollsten Männern als überaus schwierig, fast unmöglich angesehen wurde. Endlich waren die Proselyten ein Gegenstand der feindseligsten Verfolgung durch die Juden, des Argwohns unter den Christen. Andererseits, weil man die Bekehrung eines Juden wie etwas Unerhörtes ansah, die Erscheinung, daß sie so vornehme Pathen erhielten, welcher Umstand von Manchen ausgebeutet wurde, die sich eben deßhalb an verschiedenen Orten nach einander taufen ließen. Das brachte natürlich die Sache der Judenbekehrung wieder in Mißkredit. Und so wird denn mit Recht gesagt, daß die Christenheit hinsichtlich der Judenmisston eine doppelte Schuld auf stch geladen, sowohl für das, was sie gethan, als für das, was sie versäumt habe.