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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 7-8 (1869) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
7-8 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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116 Besuch „Jüdischer abgestreifter Schlangenbalg" an. Gegen ihn schrieb ernst und gründlich Offenhausen eine hebräische Widerlegung. Leider aber bewirkten dergleichen Anklagen Pöbelaufläufe und Verfolgungen, so daß auch der protestantische Glaubenseifer in keiner Weise von Verfolgungssucht sich fern gehalten hat. Dagegen bestellten die Landgrafen von Cassel und Darmstadt Prediger, welche den Juden das Evangelium verkündigen mußten; das Unrechte war nur der Zwang, welcher die Juden nöthigte diese Predigten anzuhören. Nichts desto weniger haben solche Predigten doch in mancher Seele der Wahrheit ein Gehör erweckt, und der vernommene Kirchengesang zumal einen unvertilgbaren Eindruck auf viele Herzen hervorgebracht. Auf merkwürdige Weise ist z. B. Christian Gerson gewonnen worden. Er hatte ein Neues Testament als Pfand angenommen, las während der Zeit, wo es bei ihm war, dasselbe, und wurde so ergriffen, daß er sich 1600 mit seinen Kindern in Halberstadt taufen ließ. Er starb als Geistlicher im Bernburgischen, nachdem er sein Amt mit großer Würde geführt hatte. Gleichzeitig lebte in Frankfurt a. M. eine Familie Mayr. Unter dem Namen Lichtenstein ließ sich der Mann mit seinen unmündigen Kindern taufen. Die Mutter blieb Jüdin, ihr erst 3—4 Jahr altes Kind entriß ihr die Obrigkeit und ließ es taufen. Hernachmals wurde dieser Knabe Pastor in Frankfurt und wird von Spener besonders gerühmt. Eine große Zahl deutscher Predigerfamilien stammt überhaupt von Juden ab. Mit besonderem Eifer wandten sich der Judenmisston Esdras Edzard in Hamburg, Spener in Frankfurt und Graf Zinzendorf zu. Edzard, ein hebräisch und talmudisch gebildeter Privatmann zu Hamburg, hat sehr viele Juden dem Christenthum gewonnen. Für die Neubekehrten trug er eine wahrhaft väterliche Fürsorge. Jeden Mittwoch und Sonnabend nahm er mit ihnen die christliche Glaubenslehre in seinem Hause durch. Des Freitags hielt er Vorlesungen für Christen und Juden, bei welchen dieselben mit dem hebräischen Alten Testamente und dem griechischen Neuen Testamente in der Hand zugegen waren, und Besprechungen sich anschloffen. Noch 2 Tage vor seinem

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