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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 7-8 (1869) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
7-8 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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109 eine Erbsünde, dann müßten ja die Kinder büßen, was die Eltern verschuldet haben, und Gott wäre mithin ungerecht, daß er sie fremde Schuld büßen ließe. Oder sie setzen auch wohl hinzu: bei der christlichen Lehre von der Erbsünde sei der Mensch von vorn herein der unerbittlichen Verdammniß verfallen, und Gott könne ihn nicht erlösen, ohne sich im Strafen genug gethan zu haben, indem er seine Rache wenigstens an einem Dritten kühle. Wir fragen darauf einfach: Sind denn die Kinder Fremde? Stammt ihr Geist nicht von den Eltern ab? Es wird ja sonst von den Reformern mit großem Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Seele des Menschen zugleich mit dem Körper entstehe, und nicht etwa früher schon bei Gott existirt habe. Wie ist es aber deßhalb möglich, daß der sündliche Geist der Eltern rein auf die Kinder übergehe? Welch ein Wunder der Verwandelung müßte stattfinden, wenn dies geschehen sollte? Nach dem Alten Testamente ist es vielmehr dem Entschluß der göttlichen Gnade zu danken, daß auch das sündig gewordene erste Menschenpaar nicht sogleich dem Tode verfällt, sondern trotz der Sünde einem sich immer weiter fortpflanzenden Geschlechte das Leben geben darf. Gnade ist es, daß Sünder dennoch Eltern von Kindern werden dürfen, obwohl sie freilich nur sündliche Kinder erzeugen können.. Es ist uns im Gegentheil also ein Wunder der Barmherzigkeit, daß Gottdiejenigen, welche er sogleich richten könnte, sich fortpflanzen läßt, damit sein heiliger Rath in Erfüllung gehe. Sein heiliger Rath aber ist der gewesen, daß von einem Paare ein großes Menschengeschlecht kommen sollte, welches die Erfahrung seiner segensreichen Gemeinschaft auf einer paradiesischen Erde machen möchte. Die Sünde hat diesen Rath stören, aber sie hat ihn nicht aufheben dürfen; denn die göttliche Barmherzigkeit ist noch mächtiger als die Sünde. Gelangt das menschliche Geschlecht aus eigener Schuld nicht auf geradem Wege zu dem, was ihm die göttliche Liebe bestimmt hat, so bleibt es dennoch dabei, daß ein Menschengeschlecht entstehen soll, welches schließlich das von Anfang ihm bestimmte Ziel auf dem Wege der Gnade erreichen wird. Das ist die Darstellung des Alten Testamentes, in welchem unmittelbar nach dem Sündenfalle neben dem Gericht, das geschehen

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