Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 7-8 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 suchende Fleisch, und endlich die ebenso ungemäßigte Begier den Augen Befriedigung zu verschaffen. Daß nun, nachdem einmal dieser Zwiespalt in den Erstgeschaffenen eingetreten ist, das von ihnen geborene Geschlecht dieselbe Art an sich trägt, ist für das Alte Testament selbstverständlich. Dasselbe sagt von dem gefallenen Adam: er zeugte einen Sohn nach seinem Bilde; wie er ist, so ist sein Same. Damit kommen wir auf die Lehre von der Erbsünde, welche das gegenwärtige Judenthum als einen besonderen Gräuel verwirft. Das Judenthum, so sagt uns ein Stimmführer unter den Reformern, kennt keine Erbsünde und also auch keinen Sündenfall, wie die Christen ihn lehren. Das Gebetbuch der Juden enthält das Bekenntniß: Die Seele, welche du mir gegeben hast, o Gott, war rein; und mit besonderem Nachdruck beziehn sich beide jüdische Parteien auf diese Stelle. Sagt dann das Alte Testament: es kommt kein Reiner vom Unreinen; nennt es das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse von Jugend auf, so wälzen dagegen, wie schon vorher erwähnt, die heutigen Juden alle Schuld von dem Herzen ab und schieben sie vielmehr auf das leibliche Wesen des Menschen, das nun einmal sinnlich angelegt sei. Sie berufen sich darauf, daß der Mensch doch Fleisch genannt werde, vergessen aber, daß erst nach dem Sündenfall diese Bezeichnung für ihn erscheint. Denn seit dem Sündenfall ist die bestimmende Macht für den Menschen, die Einheit, welche sein ganzes Wesen zusammenhält, nicht mehr der Geist, welcher sich vom Geiste Gottes Schritt für Schritt regieren läßt, sondern der Mensch ist ein Diener der Lüste des Lebens geworden, welches er in diesem Fleische, das doch um der Sünde willen wieder zum Staube wird, führt. Erbsünde also wollen die Juden nicht zugeben und dennoch kommen sie um die Sache selbst nicht herum. Sie führen die Erbsünde unter dem Namen der Erbschwäche wieder ein, nehmen aber damit dem Sündlichen seinen sündlichen Charakter, und machen auf solche Weise Gott zum Versucher und Verführer aller Menschengeschlechter, die er so schwach in das Leben hineinführt. Trotzdem treten die heutigen Juden gerade gegen das Christenthum anklagend auf, weil es die Erbsünde lehrt. Sie sagen, gäbe es