Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 7-8 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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' VTL_ 104 bleibt. Die Tiefe der Liebe Gottes wird darin uns recht wunderbar, daß sie durch nichts sich ermüden oder nun gar ersticken läßt. Und so wird mis denn durch dasselbe Alte Testament, welches die Feindschaft der bösen Geister dem Auge zeigt, zugleich dies gesagt, daß zwar alles einzelne Leben in der Schöpfung nach dem Sündenfall die Macht des bösen Willens erfahren muß, aber das Schöpfungswerk dennoch bestehen bleibt, indem immer neues Leben erweckt wird. Das lernen wir nach der ausdrücklichen Verheißung des .Sitten Testamentes als ein Unterpfand für den letzten, endlichen Sieg der heiligen Lebensmacht Gottes über alle Feindschaft annehmen. So ernst wir mithin also darüber denken, daß nicht bloß eine, sondern zwei Mächte unser begehren: Die eine, welche unser Verderben, die andere, welche unser wahrhaftiges und ewiges Heil sucht, so sehr freuen wir uns der Gewißheit, welche das Alte Testament uns sogleich im3.Capitel des ersten Buches Mosis gibt, daß alle feindliche und verderbliche Gewalt noch einmal zertreten werden wird; nämlich dann, wenn die Menschen alle Gemeinschaft mit ihr werden abgewiesen haben. Je weniger aber die heutigen Juden es sich eingestehen, daß wirklich unser menschliches Leben und auch das ihrige vor Gottes Augen einen so tiefen Schaden aufweist, wie das Alte Testament darüber urtheilt, desto weniger hat man auch die Fähigkeit, die alttestamentliche Lehre von den bösen Geistern zu verstehen. Man denkt sich jüdischerseits das Verhältniß Gottes und des Menschen vielmehr so ziemlich als dasselbe, welches es im Anfänge der Schöpfung war. Oder man geht sogar weiter und behauptet, daß ein beständiger Fortschritt des Menschengeschlechtes in religiöser und sittlicher Entwickelung stattgefunden habe. Unter den Orthodoxen finden wir über das ursprüngliche Wesen des Menschen im Anbeginn und über die Veränderung, welche etwa in demselben stattgefunden hat, nur wenige klare Auseinandersetzungen. Man denkt sich den Menschen, wie er aus Gottes Schöpferhand hervorgegangen ist, als ein Wesen, das einen Gegensatz von Geistigem und Materiellem in sich trug. Man vermeint auch, daß jeder Mensch, wenn er geboren wird, noch heut so ziemlich in demselben Zustande sich befindet, wie es etwa mit Adam und Eva ursprünglich der Fall