Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Durch öffentliche Vorträge, Unterricht und Schriften wirkte er auf's Redlichste in Amsterdam. ■ Seine innige Liebe zu Israel aber erhielt besonders seine Arbeit diesem Volke. Von der neueren Misstonsarbeit in Holland wird hernach die Rede sein. Italien. Dies Land befand sich von Alters her in den Händen verschiedener fremder Mächte; daher sich die Lage der Juden sehr verschieden, wenn gleich im Ganzen milder, gestaltete. Die bekannten Beschuldigungen fanatisirten zwar auch dort die Menge mitunter zu blutigen Mißhandlungen; sie wurden in besondere Viertel und Straßen (Ghetto) eingeschlossen und mußten an gewissen Tagen Bekehrungspredigten anhören. Aber die Päpste nahmen die Verjagten oft in ihren Besitzungen auf, und der Welthandel, welcher seinen Mittelpunkt in Italien während des Mittelalters hatte, that auch die Thore mancher italienischen Stadt den Juden auf. Daher finden wir an mehreren Orten Italiens schon früher Juden, welche durch Reichthum, wissenschaftliche Bildung oder Verdienste um das Gemeinwesen eine hervorragende Stellung einnehmen. Mit dem wachsenden Einfluß des Mönchswesens mehren sich die Versuche, die Juden in die Kirche hineinzunöthigen. Ein entschiedener Feind der Juden war Giovanni Capistrauo (1456), der Husstten- und Türkenfresser. Seine Predigten haben vielen Unschuldigen das Leben gekostet, Andere theils gezwungen, theils freiwillig in die Kirche geführt. Das Verhalten der Päpste gegen die Juden war meist ein mildes. Paul III. gründete 1550 eine eigene Anstalt zum Zwecke der Judenbekehrung, Paul IV. dagegen bedrückte die Juden auf jede Art. Die Verfolgten durften in Rom nur eine Synagoge besitzen, keine Christen in ihre Dienste nehmen und wurden in's Ghetto eingeschlossen. Pius V. gestattete ihnen nur den Aufenthalt in Rom und Ancona. In Genua preßte man die aus Spanien geflüchteten Juden in einen Winkel zusammen, wo sie dem Hungertode nahe kamen. In der einen Hand hielt man ihnen Brot, in der anderen das Kreuz vor,