Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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88 eigenen Lehrstuhl für einen Professor der Controverse gegen die Juden. Der Orientalist Constantin l'Empereur hat diese Stelle eingenommen, aber keinen Nachfolger erhalten. Von ihm sind talmudische Schriften mit christlichen Gegenbemerkungen herausgegeben. Der gelehrte Prediger und Professor I. Horndeck (gest. 1666) schrieb ein berühmt gewordenes Buch: „Von der Ueberführung und Bekehrung der Juden." Das Werk ist gründlich und anziehend geschrieben, in seinen Urtheilen durchaus mild. Etwas später verfaßte H. Witsius seine gegen die Juden gerichtete Abhandlung über die vornehmsten Glaubenswahrheiten, welche Anweisungen über die rechte Art der Disputation mit den Juden gibt, die Göttlichkeit des Neuen Testamentes darlegt, das Verhältniß zwischen Tradition und Kirchenlehre auseinandersetzt und schließlich die Juden in schöner Weise ermuntert mit dem Gesetz das Evangelium zu verbinden. Von Bedeutung sind ferner geworden: das Buch des Hugo Grotius zur Vertheidigung der christlichen Religion, welches in sehr viele Sprachen übersetzt wurde, und deS Limborch Gespräche mit einem gelehrten Juden. Letzterer war-Jsak Orobio de Castro, der mit Verleugnung seiner Herkunft Vorlesungen über Metaphysik in Salamanca gehalten hatte, dann in die Hände der Inquisition gefallen war und nach dreijähriger Kerkerhaft nach Amsterdam flüchtete. Die Anzahl der Juden, welche im Laufe der Zeit zur Kirche übertraten, war keine geringe, mußte man doch sogar ein eigenes Tanfformular abfassen. Synoden und Regierung forderten die Geistlichen ernstlich auf, ohne gegen die Freiheit der Juden zu streiten, dennoch ihre Bekehrung sich angelegen sein zu lassen. Und gerade dies führte so viele Juden zum Christenthum. Nirgends haben die Verhandlungen zwischen jüdischen und christlichen Gelehrten einen so milden Charakter getragen. Noch in neuester Zeit hat sich Bilderdyk dadurch einen Namen erworben. Unter den Proselyten nennen wir Friedrich Ragstatt de Veil. Von einer spanischen Familie abstammend, welche sich in der lothringischen. Stadt Ragstatt niedergelassen, wurde er selbst in Metz geboren. Sein Vater, ein angesehener Synagogenvorsteher, sandte ihn ins Ausland zum Studium der jüdischen Theologie; er aber fand unter