Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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86 aber davon ab, als ein Jüngling mit dem Verlust des Augenlichts bedroht an seinem Christenthume festhielt. Unter Richard Löwenherz waren an seinem Krönungstage die Juden mit ihren Geschenken in den Palast eingedrungen, und zwar gegen ein ausdrückliches Verbot. Der Tadel des Erzbischofs Balduin über diese Zudringlichkeit hatte ein Blutbad zur Folge. Von London verpflanzte sich die Verfolgung nach anderen Städten. In Uork vertheidigten sie sich verzweifelt; nur der reiche Benedikt von Pork wurde Christ, die Rückkehr zu seiner Religion ihm aber vom Könige und Erzbischof gestattet. Johann ohne Land ließ ihnen nur so lange Ruhe, bis sie genug zur Wiederausplünderung gesammelt hatten. Heinrich III. verwandelte ihre Synagoge, das schönste Gebäude Londons, in eine Kirche. Den Proselyten hatte man bisher ihr Vermögen abgenommen, dieser König gab es ihnen zurück und stiftete ein Proselytenhaus, wie solche auch in anderen Orten bestanden. Dasselbe hatte einen Vorsteher, welcher die Proselyten zu fleißiger Arbeit anhielt. Nur Arme sollten die Wohlthat dieses Hauses genießen, welches der König und Privatleute reich bedachten. Mehrere Geistliche gingen aus demselben hervor. Später stiftete man Filialhäuser. Unter Eduard (1250) wurde bestimmt, daß in diesem Hause die Juden unbehelligt Gottes Wort sollten hören dürfen; die Getauften durften jedoch nur die Hälfte ihrer Güter behalten. Sämmtliche ihm zufallende Strafgelder überwies der König der genannten Anstalt; mehrere Beamte wurden angestellt statt des einen, der früher die Aufsicht führte; Zöglinge des Hauses durften in diese Stellen rücken, und die Anderen wurden je nach ihren Anlagen für den Handel, das Studium oder den Dienst der Kirche bestimmt. Ein Verzeichniß führt unter Eduard 500 Proselyten in der Anstalt auf. Dennoch kam es 1290 unter diesem Könige zur Berjagung der Juden aus England. Das Volk war über ihren Wucher und ihre Münzfälschungen längst erbittert, und der König wollte nur Bekenner eines Glaubens in seinem Lande haben. 15—16,000 mußten abziehn; auf ihrer Flucht wurden sie geplündert; ihr unbewegliches Eigenthnm sollte der Kirche zufallen, wurde aber meistens von Privaten geraubt;