Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Gewalt zu Christo zu bringen. Das Motiv vieler Bekehrungen erkannte er außerdem sehr richtig und äußerte deshalb: „nur das nachfolgende Geschlecht werde ein Gewinn für die Kirche werden." Unter Carl dem Großen schien die Aufgabe, welche die römische Kirche sich gestellt, alle Völker in einer Kirche zu vereinigen, sich erfüllen zu wollen. Die Juden galten daher als ein fremdes Element, aber Carl selbst und Ludwig der Fromme behandelten sie mild, letzterer sogar mit Vorliebe. Im Allgemeinen aber wurden Bedrückungen der Juden zur Regel. Die Könige und das Volk Frankreichs nach Carl dem Großen fielen oft über dieselben her; mit besonderer Erbitterung Bischof Agobard. Von dem elften Jahrhundert an beginnen die eigentlichen Leidenszeiten der Israeliten Frankreichs. Die Kreuzzüge wurden auch hier ihnen verhängnißvoll. Vom April bis Juli 1076 wurden etwa hunderttausend umgebracht, unzählbare Schaaren aber strömten zur Taufe. Bernhard von Clairveaux sprach nachdrücklich sein VerdammungSurtheil über die Gewaltthätigkeiten an den Juden und die Zwangstaufen aus; auch die Päpste nahmen sich ihrer an. Anaklet II. erhielt z. B. auf seiner Flucht nach Frankreich von ihnen eine verhüllte Thorarolle , wobei er ihnen den Wunsch aussprach, daß Gott die Decke von ihren Augen nehmen möge. Später erfolgte Vertreibung aus Frankreich, Zurückrufung, endlich Auflegung schwerer Abgaben. Als ein Proselyt Denis Machault rückfällig wurde, sollten 7 Juden so lange im Gefängniß sitzen, bis sie den früheren Glaubensgenossen zum Christenthum zurückgeführt hätten. Die Quelle der Grausamkeiten gegen die Juden in Frankreich war lediglich Habgier; wurde doch selbst auf den Uebertritt zum Christenthum Vermögensverlust gesetzt, welche Bestimmung erst Carl VI. aufhob. Alle dachten nur an ihre Plünderung;.unter den Päpsten in Avignon dagegen war ihr Schicksal ein milderes. Carl V. verbot jeglichen Zwang in Glaubenssachen den Juden gegenüber, als aber unter Carl VI. der Bürgermeister von Paris deshalb der Juden sich annahm, wurde er gefangen gesetzt. Erst die Revolution von 1789 gab, nachdem die Geschichte der Juden bis dahin beständig dieselbe wie die