Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Christen aus dem Alten Testament die Allmacht Gottes kennen gelernt und beugen vor ihr unsere Knie; denn diese heilige Liebesmajestät derselben ist doch unendlich erhabener als jene fragliche Allmacht, welche mancheute unter den Juden kennt. Orthodorerseits scheint man übrigens an die Lösung solcher Probleme wenig herangehn zu wollen; man schreitet zwar nicht deutlich und ausdrücklich zu so extremen Behauptungen vor, wie diejenigen find, welche wir unter den Reformern hören, aber man versucht auch nicht eine bessere Erklärung. Wir sahen, wie wenig genügend die Allmacht Gottes von den gegenwärtigen Juden beschrieben wird, und brauchen darum nur hinzuzufügen, daß die Allweisheit und die Allliebe oder Allgüte Gottes in seinem Verhältniß zur Welt auch nicht besser verstanden sind. Das ist ganz natürlich, denn alle Eigenschaften des göttlichen Wesens bedingen sich gegenseitig. Wir sagen deshalb kurz: das ist keine Allweisheit, welche in dieser gegenwärtigenWelt ihre ganze Weisheit niedergelegt hat. Die Allweisheit, hören wir ausführen, wollte alle einzelnen Geschöpfe und die ganze Schöpfung so Herstellen, daß dem Einzelnen wie dem Ganzen der Genuß seines Daseins gewährt sein sollte. Aber gerade nach einer solchen Erklärung von der Allweisheit müssen wir einwenden, daß dann dieselbe in den Mitteln sich vergriffen hat; denn sie hat nicht eine solche Verbindung ihrer Werke herzustellen gewußt, welche den Genuß des Daseins wirklich den Einzelnen erhält, sie hat im Gegentheil den Genuß des Lebens dem Einzelnen nur auf Kosten Anderer bereitet. Und ganz dasselbe gilt von der Allliebe oder Allgüte; auch sie verdient bei der Auffassung, welche sie unter den Juden gefunden hat, in keiner Beziehung ihren Namen; nein im Gegentheil, sie wird dadurch zur Grausamkeit, daß sie ganz vergeblich Geschöpfe erweckt, die den Genuß des Lebens empfangen; denn mitten in der Lust . des Daseins raubt sie selbst wieder, was sie gegeben. Wir wissen vielmehr aus dem Alten Testament, daß mit Geist und also mit freiem Willen begabte Geschöpfs die Welt zu ihrem Wohnhaus oder zur Stätte ihres Wirkens empfangen haben. Die Stellung derselben zu Gott bedingt darum auch den Zustand der Welt. In Gott hat diese gegenwärtige Welt freilich ihren ersten Grund, in