Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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77 deßhalb thätig nahe oder gegenwärtig, um es für seinen Zweck zu erhalten. Hiernach hat Gott nirgends nachzupfuschen, seine Allmacht ist vielmehr in jedem Augenblick noch heut ebenso wirksam als in dem Akt der Schöpfung selbst; Leben erwecken und Leben erhalten, leiten und führen, das sind nur zwei verschiedene Seiten der göttlichen Allmacht. Gott ist in Wahrheit, nicht bloß nach einem unangemessenen Ausdruck, der Allmächtige. Und das Alte Testament steht so lebendig in derartigen Anschauungen, daß es z. B. dem Geiste oder Hauche Gottes die Klärung des Himmels und die Vertreibung der Wolken zuschreibt. Der Wind ist ihm ein Odem Gottes, denn er entstammt dem göttlichen Odem. Weiter aber gewinnen wir auf diesem Wege auch ein Verständniß für die „sogenannten Naturgesetze." Gott hat die Welt nach bestimmtem Plane geschaffen, in demselben soll sie auch bestehn. Daher die Regelmäßigkeit und das beständige Sichwiederholen von Naturerscheinungen, welche wir nunmehr „Naturgesetze" nennen. Es soll nicht aufhören Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, so lange die Erde steht, sagt das Alte Testament beispielsweise, aber Gottes Geist ist eS eben, der so als ein Geist der Ordnung waltet. Und wiederum, diesem Geiste Gottes gegenüber, welcher ein Geist der Ordnung und des Lebens ist, kennt das Alte Testament' Gewalten, welche der Ordnung und dem Leben feindlich sind. Es sagt uns, daß jene Gewalten die Schöpfung Gottes selbst nicht zerstören dürfen, denn auch sie stehn unter der höheren Macht Gottes; aber es ist ihnen allerdings insoweit Macht gelassen, daß sie die Harmonie in der Schöpfung zerreißen und in das Reich des Lebens mit der Gewalt des Todes eintreten. In dieser Weise wird nun für die Allmacht Gottes auf dem Gebiete der Natur die richtige Erkenntniß gewonnen; in dieser Weise kann es auch verstanden werden, wenn nach dem Alten Testamente schließlich die Kraft des Lebens Gottes zur alleinigen Herrschaft durchbricht; während bei der Anschauung des Reformjudenthums nicht abzusehnist, wieder Gott, dessen Allmacht ursprünglich eine Welt mit Ja und Nein mit Leben und Tod hergestellt hat, auf den Gedanken kommen soll