Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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76 die Allmacht Gottes. Ein wahrhaftes Verständniß über das Verhältniß der göttlichen Allmacht zur Natur gewinnt man erst, wenn man dasselbe nach dem Alten Testamente, welches auch hierin wieder das Neue Testament sich folgen steht, betrachtet. Das Alte Testament kennt alles Leben als einen Hauch aus Gott, niemals aber losgelöst von dem göttlichen Geiste. Gott zieht seinen.Odem zurück, und das Leben erlischt, Gott haucht seinen Odem ein, und das Leben entsteht. Jede Seele ist allerdings ein selbstständiges Leben, aber sie ist ein Ausfluß aus dem göttlichen Lebensmeer, und sie bleibt von demselben umschlossen, wie der Tropfen von der ganzen Meeresfülle. Das einzelne Leben kann losgelöst werden von dem göttlichen Lebensquell, dem eS entstammt, aber eben damit ist es auch dem Versiegen preisgegeben; fließt es dahin in dem göttlichen Lebensstrom, so geht eS rechte Bahnen, trennt es sich von demselben, so muß es endlich vergehn; aber der göttliche Lebensstrom kann es auch, so lange eS besteht, wider seinen Willen immer wieder erreichen und entweder mit sich selbst neu verbinden oder hinreißen und hintreiben, wohin er will. Ter Geist oder Hauch Gottes durchweht die Schöpfung, Gott ist durch seinen Geist dem Ganzen und jedem Einzelnen auf dem Gebiete der Schöpfung innerlichst nahe. Das Alte Testament lehrt, was Paulus in die Worte zusammenfaßt „in Ihm leben, weben und sind wir." Der Geist Gottes schwebt, so stellt es das erste Capitel des Alten Testamentes dar, gleichsam brütend über den Elementen, die er geschaffen, und erweckt auf diese Weise alles einzelne Leben. Deshalb aber ist Er der Grund alles Lebens, seine Gegenwart in den Elementen macht dasselbe auö; und hat zwar jedes Einzelleben einen eigenen Besitz aus der Fülle göttlichen Geistes, so soll es dennoch in der oben angegebenen Weise dem ganzen Leben Gottes innerlichst eigen bleiben, nicht von ihm geschieden sein, sondern mit und in ihm leben. Auf diese Weise aber gewinnen wir von beidem eine richtige Erkenntniß: von der Allgegenwart Gottes, die jüdischerseits sehr wenig faßlich dargestellt wird, und von der Allmacht desselben. Wie Alles in Gott beschlossen bleibt, was er geschaffen hat, wie Allem sein Geist wirklich nahe, gegenwärtig ist, so ist er ihm eben