Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554777--05122-2561071- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 ein, welche man sonst der Allmacht zuschreibt. Die Gesetze, so heißt eö, walten in unbedingter NothWendigkeit, wo aber Unregelmäßigkeit und Ungleichförmigkeit sich zeigen, haben wir Fügungsursachen anzunehmen. Es ist hierbei schon bedenklich, daß der Gott der Ordnung als der Unordnungsstifter angesehen wird; und man sollte meinen, daß wenn er die Ordnung, die Naturgesetze, aufgestellt hat, auch die Macht eine völlige Ordnung sestzusetzen ein Leichtes ihm gewesen wäre. Aber fteilich, es war uns ja gesagt worden, daß alle Disharmonie in der NaturHarmonie sei, weil trotz allerDisharmonie es nie zu einer völligen Zerstörung der Schöpfung komme, sondern das Einzelne stets nur der Vernichtung preisgegeben werde. Die Allmacht oder Fügung Gottes Hatdarm also immer nur die allgemeine Ordnung zu erhalten, oder wohl auch die einzelnen Erscheinungen für höhere Zwecke gerade so hervorzubringen. Das Nachpfuschen und daö stetige Eingreifen in den geordneten Gang wird allerdings auf viese Weise auch nicht vermieden, denn der Unregelmäßigkeiten giebt es fast eben so viele als der Regelmäßigkeiten; und es ist doch am Allerwenigsten Gottes würdig erst da einzutreten, wo die Unregelmäßigkeiten beginnen. Aber noch mehr: eine größere Erkenntniß der Naturgesetze weist solchen Belehrungen über die Allmacht oder die Fügung Gottes nach, daß überall verschiedene Naturgesetze wirksam sind, und aus dem Kampfe derselben die Erscheinungen sich herleiten, welche wir als Unregelmäßigkeiten bezeichnen. Besser Eingeweihte erklären jene obigen Auseinandersetzungen über das Verhältniß der göttlichen Allmacht und der Selbstständigkeit der Natur für eine schlechte Aushilfe der Unwissenheit, die das Fügung nenne, was sie selbst nicht Nachweisen könne, und damit nur ihren Hochmuth an den Pranger stelle, der unerklärbar nenne, was er selbst nicht zu erklären vermöge. Schwerlich wird auch die Reform diesen Ausstellungen zu entgehn im Stande sein; die wachsende Naturerkenntniß wird sie vielmehr recht stark in's Gedränge bringen und ihre göttliche Fügung Schritt für Schritt zurückweisen. Eine viel richtigere Erkenntniß ist es dagegen schon, wenn das von den Reformern als Fügung bezeichnet wird, was der Rath Gottes, der seine Absicht auf den Menschen hat, im Naturleben wirkt und waltet. Aber dies ist doch nur ein vereinzelter richtiger Gedanke über