Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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74 grund, weil eigentlich mit dem Gedanken an die Materie der Gedanke an etwas Gottfeindliches verbunden wird. Denn man hat ein Gefühl dafir unter den Orthodoxen, daß auf dem Naturgebiet nicht Alles so ist, wie eS fein sollte, aber man verlegt die Ursache davon auf etwas Falsches, auf das Materielle selbst, welches darum in der Allmacht Gottes erst das rechte Gegengewicht erhält. Unter den Reformern spricht man nun wohl auch mit scheinbar gleichem Nachdruck von der Allmacht Gottes, bestrebt sich aber außer« dem dieselbe nicht so vereinzelt hinzustellen, sondern als Folge der Unmittelbarkeit Gottes zur Welt. Freilich gelingt das schlecht. Denn man sagt uns, die Unmittelbarkeit Gottes zur Welt sei „eine Unmittelbarkeit durch die Naturgesetze." Klingt das schon von vornherein befremdlich, so noch mehr, wenn man sehn muß, wie den Naturgesetzen eine Stellung zugewiesen wird, durch welche dieselben Gott und Natur einander ziemlich fern halten. Gott ist nämlich der Allmächtige in Wahrheit nur durch den Akt der Schöpfung, aber nach erfolgter Schöpfung tritt er so sehr in den Hintergrund, daß von einer wirklichen, lebendig thätigen Allmacht nicht mehr die Rede sein kann. Wir hören: die Naturgesetze, als Gedanken des göttlichen Schöpfungsplanes, sind der Natur eingegründet; deshalb tritt Gott fortan nicht mit seinem eigenen Werke in Widerspruch, sondern überläßt dasselbe den Gewalten, welche er zur Herrschaft eingesetzt hat. Sind auf diese Weise die Reformer bemüht der Welt eine Selbstständigkeit zuzusprechen, so wollen sie andererseits doch die Allmacht Gottes in derselben nicht zum bloßen Begriffe herabsinken lassen. Theoretisch wird daher einmal festgehalten, daß die Macht Gottes in der Schöpfung keine Schranke finden dürfe, und sodann auch ein gewisses Eingreifen der göttlichen Macht ausdrücklich gelehrt. Vorab wird jedoch festgestellt, daß in der Schöpfung Alles Harmonie sei, und ein Nachpfuschen Gottes also nicht stattfinden könne, weil er selbst sonst sein eigenes Werk als unvollkommen darstellen würde. Welchen Werth diese Ansicht hat, darüber ist schon im Früheren gesprochen worden. Die Reform jedoch, an ihren Voraussetzungen festhaltend, bezeichnet das Verhältniß Gottes zu der geschaffenen Welt als das „der Fügung." Die Fügung nimmt diejenige Stelle fast ganz