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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 5-6 (1869) · page 9

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Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
5-6 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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73 und Sinnlichkeit gleichgestellt; Orthodoxe und Reformer theilen hier gemeinschaftlich dieselbe Auffassung. Man fragt mit Recht, wie Gott, der in sich Eine, eine Materie habe schaffen können, welche ursprünglich entweder ganz oder doch in einem bestimmten Maße der Widerspruch des Geistes ist? Aber man will unter den Juden von der einmal behaupteten Harmonie nicht ablaffen und verwahrt sich dagegen, daß die Harmonie in der Gegenwart verloren sei, um erst wieder gewonnen zu werden. Weiter wird dann behauptet, daß wie die Einheit der Welt, so auch die Unmittelbarkeit Gottes zu derselben eine der gesicherten Ideen des Mosaismus sei. Doch wird das Verhältniß Gottes zur Welt von den Orthodoxen gewöhnlich etwas anders aufgefaßt, als es unter den Reformern zu geschehn pflegt. Mit besonderer Vorliebe wird Gott der Welt gegenüber von den Juden als der Allmächtige bezeichnet. Sie werden es selbst nicht bestreiten, daß sie Gott nach seinem Verhältnisse zur Welt zuerst und vor Allem als den Allmächtigen schlechthin denken, während wir Christen ihn an erster Stelle vielmehr die allmächtige Liebe nennen. Die jüdische Orthodoxie beschreibt nichts so gern und so königlich, als die Majestät Gottes; ihre bedeutendsten und schönsten poetischen Leistungen gelten der göttlichen Allmacht, das Gebetbuch zeichnet dieselbe mit den lebhaftesten Farben — wir werden auch in diesem Punkte ganz eigenthümlich an die Verwandschaft mit dem christlichen Rationalismus erinnernder als sein Lieblingsthema die Schöpfermacht Gottes behandelt. Uebrigens findet man unter den Orthodoren in ihrer Lehre von der Allmacht Gottes die Freiheit seiner Gewalt über die Schöpfung durchaus anerkannt. Lassen sie auch die Naturgesetze als solche gelten, so sind es ihnen doch Gesetze eines Königs, welcher durch dieselben sich selbst nicht beschränkt hat. Die Natur erscheint ihnen als Gottes Herrschaftsgebiet, welches zu jeder Zeit, wenn er will, seine Macht erfahren muß und bereit ist seinen Winken zu dienen. Allerdings steht die Natur gewissermaßen als eine Macht Gott gegenüber, aber als eine solche, welche bezeugen muß, daß Gott der viel größere ist, und daß seine Kraft sie stets überwindet, unterwirft und zum Gehorsam zwingt. Dieser Gesichtspunkt tritt wohl darum so bedeutend in den Vorder-

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