Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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71 welcher eine Folge seiner Sünde ist, „den Acker voller Disteln unb Dornen." Sogleich im Anfang wird aber auch im Alten Testamente das Paradies, des Menschen Wohnhaus, der übrigen Erde gegenübergestellt; im Paradiese wird eine die Natur verderbende Gewalt in dem Baume der Erkenntniß als vorhanden erwähnt, aber es wird zugleich einer Fesselung derselben gedacht, welche nur durch des Menschen Schuld aufgehoben werden könnte. Solche Aufschlüsse des Alten Testamentes sind uns Christen eine Lösung von Räthseln, die uns sonst ungelöst blieben, und vielfach, zumal in unseren materialistischen Zeiten, welche den Triumph der Naturwissenschaften über den Schöpfer verkündigen, erst das rechte Licht über großes Dunkel verbreiten. Die leichtfertige Art und Weise aber von Harmonie in der Schöpfung zu reden beschädigt am Ernstlichsten das heilige Wesen Gottes. Gerade das tiefer in das Leben und Weben der Natur eindringende Auge begegnet einem so millionenfach verschlungenen Kampfe um Tod und Leben, daß es mit Recht an Gott irre wird, wenn derselbe ursprünglich derSchöpfer eines solchenZuftandes ist. Man fragt mit gutem Grunde: Wenn Gott die ganze Fülle und Macht des Lebens in sich trägt, und wenn Er die Liebe ist, warum hat er nicht eine Welt geschaffen, welche ganz und gar vom Leben durchdrungen, und auf diese Weise erst die seiner Macht und seiner Liebe angemessene ist? Denn es bleibt allerdings ein zu seltsames Ding, daß Aufruhr und Haß und Mord uns überall auf dem Gebiete der Natur begegnen, welche doch durchaus Gottes Güte und Liebe athmen könnte. Die Unterscheidung aber von subjektiv und objektiv gut, welche wir vorhin hören mußten, genügt am Allerwenigsten bei so einfachen Fragen. Der Riß, welcher durch alles Geschaffene geht, istein sehr objektiver; denn derTod ist nichts Eingebildetes, nichts falsch Empfundenes, sondern stets eine wirkliche Zerstörung wirklichen Lebens. Und daß zwar alles Einzelleben untergeht, die Gattung aber erhalten bleibt, nimmt doch der Verwüstung nicht ihre Bitterkeit. Subjektiv und objektiv in dem Sinne von Einzelleben und Allgemeinleben auseinanderzuhalten, was nützt solche Rederei? Leben ist überall Leben , überall eine That, ein Werk Gottes und nirgends Schein, das empfindet am Allerwahrsten das