Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1869-01-01 · 5-6 (1869) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
5-6 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554773-2554777--05117-2561066
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lich und thatsächlich, gut sei. Dafür beruft man sich auf die Erklärung Gottes selbst, der nach den Schöpfungstagen das Werk seiner Hände ansieht und sagt; „es ist gut." Man läßt sich auch dadurch in seiner Behauptung nicht stören, daß diese Worte Gottes vor dem Sündenfall geredet sind; man findet Harmonie in dem Früheren, Harmonie in dem Gegenwärtigen. Die Welt, wie sie einmal vorhanden ist, soll auch einen normalen Zustand aufweisen. Die Uebel, welche offenbar in der Welt herrschen, die Zerrissenheit, welche die ganze Natur durchdringt, das Vergehen und Verwesen, die Feindschaft des Todes, welche auf Schritt und Tritt uns begegnet, das Alles, sagt man, könne zwar subjektiv d. i. für die Einzelempfindung und Einzelerfahrung schlimm sein, aber von einem höheren Gesichtspunkte aus betrachtet sei es gut, sehr gut, ursprünglich so geordnet. Wenn das Alte Testament den Tod auf dem Gebiete der Menschenwelt betrachtet, so nennt es denselben eine Strafe Gottes und nicht von vornherein von Gott gewollt. Es wird uns ausführlich beschrieben, wie er als Fluch der Sünde über den Menschen verhängt wurde, und Moses sagt im 90. Psalm: das macht dein Zorn, daß wir so vergehn. Orthodorerseits verschließt man sich auch nicht ganz der Erkenntniß, daß wenigstens unter den Menschen der Tod nicht eine anfängliche Schöpfungsordnung sei, unter den Reformern sieht man denselben als vom Beginn für die Menschen bestimmtes Loos an; beide aber Orthodore und Reformer betrachten die Disharmonie in der Natur als Harmonie, gerathen dabei jedoch oft mit sich selbst in die eigenthümlichsten Widersprüche. Das Alte Testament berichtet, daß sogleich in der allerdings für den Zweck, Arbeits- und Wohnstätte der Menschen zu sein „gut" geschaffenen Erde, unserem ersten Elternpaare geboten wird, „dennoch den Garten des Paradieses zu bewahren." Es kennt im Paradiese selbst eine Feindschaft, welche auf dem Herrschaftsgebiete des Menschen nach dem Siege ringen wird; es kennt auch eine schließliche Ueberwindung aller feindseligen Gewalt in der Natur, eine Aufhebung der Zerrissenheit, welche augenblicklich durch den Tod in der Schöpfung herrscht. Das Alte Testament unterscheidet außerdem den Zustand der Umgebung des noch nicht sündig gewordenen Menschen, und den Zustand,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.