Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 nennen pflegen, von Ewigkeit mit Recht zugeschrieben werden können. Das bloße Dasein oder die sogenannte unbeschränkte Geistigkeit des einpersönlichen Gottes sind etwas Physisches, die Liebe dagegen, welche das Leben der Dreieinigkeit ausfüllt, indem sie ewig die Gemeinschaft der drei Personen ganz und völlig bewegt, ist etwas Sittliches. Und gerade auf dieser in Ewigkeit geübten Sittlichkeit der drei göttlichen Personen beruht der tiefste Anspruch an die Menschen: nicht bloß dankbare Liebe gegen Gott zu beweisen, sondern auch Liebe gegen die Menschen. Die Liebe, welche in der Gemeinschaft der drei Personen ewig geherrscht hat, fordert mit Recht ihr Gegenbild in der menschlichen Gemeinschaft. Gott verlangt nichts vom Menschen, was 'er nicht selbst zuerst auf das Vollkommenste geübt hätte: Liebe in der Gemeinschaft. So deckt also die Lehre von der Dreieinigkeit durch die bloße Beschreibung des göttlichen Wesens, welche in derselben enthalten ist, auch die letzten Fundamente aller Sittlichkeit auf; während das Judenthum in seiner Lehre von dem Wesen Gottes seit 1800 Jahren schließlich vielmehr darauf hinauskommt, um eine Stimme aus seiner eigenen Mitte reden zu lassen: „Die abstrakte Reinheit des Gottesbegriffs festzustellen und festzuhalten." Wir werden aber auch im Weiteren überall erkennen, von welch' durchgreifender Wichtigkeit es ist, ob das Wesen Gottes nach biblischer Weise als das ewig heilige Liebesleben gedacht wird oder als eine abstrakte Geistigkeit. Die nach jüdischer Anschauung das Wesen Gottes selbst ausmachenden Eigenschaften „der Einheit der Person und der Ewigkeit" haben uns Anlaß gegeben den jüdischen Gottesbegriff zu prüfen. Gottes Eigenschaften nun in seinem Verhältniß zur Welt und zum Menschen insbesondere werden am Besten im Zusammenhänge mit der Auffassung, welche für „die Welt" und „den Menschen" unter den heutigen Juden herrscht, betrachtet werden. So geschieht es auch in einer bekannten jüdischen Religionslehre der neuesten Zeit. Wir wenden uns deshalb jetzt zu der Frage, was verstehen die Juden unserer Tage unter „der Welt?" Orthodoxe und Reformer beantworten, bald philosophisch bald populär, die Frage ziemlich gleichmäßig; sie bezeichnen beide etwa die