Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Und liegt nicht etwas in der Dreieinigkeit Gottes, was die Juden zum Oefteren schon der Beschreibung Gottes im Alten Testament abgefühlt haben? Man braucht noch gar nicht einmal an die jüdische Mystik des Buches Sohar zu denken, welches die Juden selbst der Annäherung an den christlichen Gottesbegriff beschuldigen, auch sonst gibt es Anknüpfungspunkte genug auf jüdischer Seite für das Verständniß dieses verhaßten Dogmas. ' Wir hören oftmals die Orthodoxen bekennen: „Israels Gott ist der Gott der Geschichte," geschichtlich hat er sich geoffenbart, so will er auch verstanden werden. Dabei kommt es der Othodoxie darauf an, Israels Vergangenheit und Gegenwart zusammenzuhalten und so dem Hauptstück der israelitischen Lehre „Gott ist eine Person" mehr Farbe zu geben. Die bloße Einheit Gottes trägt ja auch etwas Starres an sich, sie ist ohne Leben, nur ein Zahlbegriff; aber durch die Geschichte wird Gott der Gott eben dieses Volks, und in dieser Geschichte sein Lehrer, der ihm einprägen will ihn wieder zu lieben und den Nächsten, nachdem das Volk selbst zuerst die göttliche Liebe erfahren hat. Hier ist nun ein wichtiger Punkt in der neueren jüdischen Lehre von Gott hervorgehoben. Die Verbindung, in welche die Juden seit etwa 100 Jahren mit den Christen getreten sind, hat auch auf ihren Glauben von „Gott" einen sehr wesentlichen Einfluß geübt. Selbst unter den Orthodoxen wird das Anstößige, welches die talmudische Schilderung von Gott in hohem Maße darbietet, angelegentlichst beseitigt, und der Gott des christlichen Rationalismus als der verwandteste erwählt. Man hat sich unter den Juden nun auch daran gewöhnt.Gott nicht bloß „ das unveränderliche Sein" oder „den vollkommensten Geist," sondern auch mit nachdrücklicher Betonung „die Liebe" und zwar „die Liebe gegen alle Menschen" zu nennen. Dabei kehrt man aber das Verhältniß um, verschweigt die eigene Anlehnung an den christlichen Rationalismus und verkündigt, daß die Menschheit jetzt auf dem Wege sei den israelitischen Gott von den gegenwärtigen Juden anzunehmen. Jm Uebrigen hat man sich die Frage um das Wesen Gottes damit erleichtert, daß man ihn wohl „die Liebe" nennt, aber immer nur mit Bezug auf die Menschen. Von seinem ewigen Wesen weiß man allein die absolute Geistigkeit und Einheit der Person aus-