Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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59 daher nicht, daß gerade darum so viele Bücher des Alten Testamentes geschrieben werden mußten, weil das ganze Werk des Heils, welches nach einem Zielpunkte hingeführt wird/erst durch diese ganze Reihe von Schriften bargelegt ist. Wohl spricht man auf jüdischer Seite von einem Fortschritt, aber nur von einem solchen, welcher die immer klarere Erkenntniß der Grundideen betrifft/ und nicht von einem solchen, welcher den von Stufe zu Stufe in Thaten und Thatsachen vorwärts eilenden Rath der Gnade Gottes stets deutlicher enthüllt und eben deshalb auch auf menschlicher Seite klarer verstanden wird. Denn Inhalt der Offenbarung ist für beide jüdische Parteien die Mittheilung gewisser göttlicher Grundsätze oder Lehren, über deren Zahl und Bedeutung im Einzelnen sie nur unter einander streiten, während doch vielmehr die Offenbarung das zum Inhalt hat: erstens, was Gott thut und thun will, damit die Menschheit eins mit ihm werde, und zweitens, wie in Einzelnen oder in Gesammtheiten sich auch diese Vereinigung beider verwirklicht. Die Offenbarung soll nach jüdischer Anschauung ein Wissen wirken, das der Mensch selbst in's Leben umseht; die Offenbarung soll aber vielmehr nach dem Alten Testamente ein Werk Gottes selbst anzeigen, das derselbe in und an den Menschen thun will, damit ein ihm gefälliges Leben unter ihnen entstehe. Hat also die Offenbarung nach jüdischer Auffassung die Bedeutung, daß sie bestimmte religiöse Erkenntnisse zuerst unter den Juden und durch dieselben hernach in der ganzen Menschheit hervorbringen sollte, so wird es nun darauf ankommen, diese Erkenntnisse im Einzelnen darzustellen und nach dem Alten Testament zu prüfen. Hervorzuheben ist hierbei, daß in der ersten dieser Erkenntnisse, der „vondereinen Person Gottes" beide Parteien übereinstimmen, und daß selbst die größte Zahl der heutiges Tages alles religiös Bestimmte leugnenden Juden an der Einpersönlichkeit Gottes noch festzuhalten pflegt. Man belehrt uns von reformistischer Seite, daß in diesem Punkte es unter den Juden keinen Streit gebe. „Das: Höre Israel, der Ewige unser Gott ist einzig und einig, ist zum eigentlichen Bekenntnißsatze der israelitischen Religion geworden; seine Recitkrung wenigstens zweimal täglich ist jedem Israeliten zur Pflicht gemacht, und in dem Moment, wo die Seel? des Juden aus dem Körper scheidet, wird ihm