Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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58 fehlt, daß die Sünde erst ihn finster gemacht hat. Und noch mehr. Eben noch ist der Mensch an die Offenbarung Gottes gebunden, und sogleich darauf wird ihm das Recht gegeben aus dem Geoffenbarten bestimmte Grundgedanken zu erwählen. Der Mensch hat nur sogenannte leitende Ideen herauszusuchen und alsdann ist ihm die Freiheit gelassen das Gewand derselben, je nach dem Bedürfnis der Zeiten, abzustreifen. Niemand kann sagen: was ist Idee? was ist Einkleidung derselben? Zwar gibt uns der Mann, welcher solche Ansichten von Offenbarung wie die von ihm ausgesprochenen empfiehlt, eine Anzahl von Lehren, die man anerkennen müsse, um Jude zu bleiben, aber seine Autorität ist doch eben eine höchst individuelle, und was vermag er denen zu antworten, die bekennen: wir behalten-das ganze Alte Testament ohne jede Abstreifung irgend einer Form, nachdem es selbst alles Zu-und Abthun verboten hat? Wir sehn mithin, daß rein persönliches Belieben und völlige Willkühr an die Stelle fester Normen getreten sind. Die Offenbarung ist hierbei nur eine göttliche Mittheilung einer gewissen Reihe von Ideen, mag gleich als Inhalt derselben die Einheit von Lehre und Leben gedacht sein. Und nachdem einmal für die Reform im Mosaismus diese Ideen niedergelegt sind, hat dann die übrige Schrift von Josua bis zu den letzten Propheten nur die Bedeutung: darzulegen, in welcher Weise auf dem von Gott gelegten Grunde die Israeliten selbst die Lehre entwickelt haben. . Vollkommenere sittliche Anschauungen oder Regeln konnten ja fernerhin nicht gegeben werden, denn das ganze Gesetz Mosts beruht auf der Gottes- und Nächstenliebe. Mithin zeigt die übrige Schrift allein die menschliche Verarbeitung des empfangenen Gutes, von eigentlicher Offenbarung kann man hauptsächlich nur in einem Theile der 5 Bücher Mosts sprechen. So stellt man sich auf reformistischer Seite zu der mit großer Feierlichkeit behaupteten Offenbarung der Schrift. Man weiß also nicht, daß in der Schrift der ganze Weg beschrieben wird, den Gott mit der Menschheit und Israel insbesondere geht, um beide dahin zu führen, daß sie auch wirklich in den Besitz eines Lebens der wahrhaftigen Gemeinschaft Gottes gelangen möchten. Man weiß eben