Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 wenn sie die Lösung der Räthsel sucht, bis an die Pforten des Heiligthums Jesu Christi dringt. Aber als Zweites heben wir dies hervor: Wundervolle Worte über das Leben des Menschen mit Gott finden sich unter der Spreu des Koran und des ganzen Muhamedanismus, ebenso wie unter dem vielen Schlimmen des jüdischen Talmud; wunderschöne Worte über die Gottes- und Nächsten-Liebe, und theilweise sind sie ein Zeugniß der Sehnsucht nach einer Gerechtigkeit, die vor Gott taugt. Auch einzelne Beispiele von Thaten wahrhaftiger Liebe zu Gott und Menschen treffen wir auf dem Gebiete des Judenthums seit den Tagen Christi und auf dem Boden des Muhamedanismus. Aber die Völker oder die großen Gesammtheiten versumpfen, je länger, je mehr, unter beiden Religionsformen : und zwar nicht erst mit dem Sinken der Religion sinken dort die Völker, sondern während dieselbe die unbedingteste Geltung unter ihnen hat. Der Muhamedanismus wird von allen anderen Religions- Parteien mit Recht beschuldigt, daß er innerlichst seine Bekenner entnerve. Das orthodoxe Judenthum wird von den Juden der Gegenwart selbst als unfähig das Volk sittlich zu gestalten abgeworfen; sogar seine Vertheidiger unterscheiden sich nur gradweise von ihren Gegnern. — Und nun gar das moderne Judenthum, von dem seine eigenen Apostel bekennen, daß es nie unter den Juden eine Zeit größerer Gleichgültigkeit gegen alles Religiöse gegeben habe! von dem, trotz tönender Phrasen, auch nicht der Finger gerührt wird das wachsende sittliche und sociale Elend an der Wurzel zu heben! — Daher unsere einfache Frage: was helfen die schönsten Lehren und Regeln und Grundsätze und Erkenntnisse über die Gottes - und Nächstenliebe? Sie sagen den Menschen, wie sie sein sollen, aber sie geben ihnen nicht die Kraft es zu werden. Um so schreiender wird der Widerspruch zwischen den schön dargelegten Ideen und der Wirklichkeit. Worauf also kommt es an? Darauf, daß man uns nicht mit Worten und Forderungen abspeist, sondern daß man uns den Arzt gibt, der zu heilen im Stande ist, weil er Heilmittel besitzt, und nicht blos Worte. In Jesu Christo ist das Wirklichkeit geworden, was sonst die Welt nur als Ideen und Lehren und schöne Worte kennt. Er bietet in seiner Person Wahrhaftiges dar, während unter allem Staats- und