Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 sehr, daß dem so sei; aber wie kannst du verlangen, daß ich die Schmach aushalten soll vor ihm in der Verfassung eines Sünders zu erscheinen? Wir wünschten allen Juden auch diesen Ernst, der die Sünde kennt und weiß, daß sie die Scheidewand zwischen Gott und Menschen ist. Wo ein Mensch es nur wagt, stch das einzugestehn, daß zum heiligen Gott nicht das Unheilige kommen kann, da wird er sich auch nicht mit einer solchen Sündenvergebung beruhigen, welche die Seele sündlich läßt, wie sie zuvor war. Sündenvergebung ohne Sündentilgung in dem, welcher die Sünde begangen hat oder in einem sündlichen Leben steht, ist ja nur eine scheinbare Hilfe. Das Alte Testament läßt darum den Menschen nicht bei seiner Reue sich beruhigen, als wäre mit dieser allein schon die Sündenvergebung bei der Hand, sondern bietet ihm das Opfer dar, dessen reines Leben (in seinem Blute) die Sünde des Sünders hinwegnimmt. Und was alle Opfer vorgebildet haben,-das wirkt nun in der That und Wahrheit das Opfer Jesu Christi. Jesus Christus, der Sündlose, welcher beides hat: die menschliche Gerechtigkeit und die göttliche Macht, kann eben deshalb die Sünde wahrhaftig tilgen, er kann an die Stelle unseres sündlichen Wesens ein neues setzen, nämlich sein eigenes: er beginnt das Werk der Sündentilgung während ihrer Erdenzeit in denen, die stch ihm ergeben, und führt es bis dahin aus, daß er beim Abscheiden unsere Seele, kraft seiner vollkommenen Heiligkeit, ganz mit der Heiligkeit erfüllt, die wir selbst niemals erreichen, und die doch allein den Zugang zu dem heiligen Gott gestattet. So nur verliert der Tod seine Schrecken für uns: hier ist wirklicher Trost, kein Trost, der sich selbst betrügt, indem er die schreiende Thatsache der Sündlichkeit unserer Seele todtschweigt, die sündlich nicht in die unmittelbare Gemeinschaft mit Gott, welche doch beim Tode geschehen soll, eingehen kann. Das ist das Eine, was wir an dieser Stelle hervorheben wollten: nämlich wie einerseits der Muhamedanismus eben so wenig als das Judenthum, welches bei Christo vorübergeht, eine wahrhaft inwendig das Herz mit Frieden erfüllende Antwort auf die Frage: „wie kann der Sünder aber zum heiligen Gott kommen?" zu geben im Stande ist. Und wie andererseits im Muhamedanismus und Judenthum die Seele,