Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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31 meinschast werden lassen; er soll, gerade auf das nationale Gebiet bezieht Paulus diese Worte, hierin Allen Alles werden. In jenen Tagen der ersten Christenheit gab es nun noch ein Volk Israel im Lande seiner Väter. An dies Land war das Gesetz gebunden; an diesem Lande hatten auch die Juden in der Zerstreuung noch ihren Mittelpunkt. Wie hätten da die Apostel Israels, denn so werden jene zwölf Apostel genannt, die nationale Form im heiligen Lande zerstören sollen. Ganz anders, wir haben es eben gesehn, stellte sich die Sache schon , wenn Judenchristen hinauskamen in das Gebiet und die Länder der Völker; da ist das Princip: die fremde Form ruhig sich gefallen zu lassen und nicht um derselben willen die Gemeinschaft zu stören. Endlich aber noch anders gestaltet sich die Frage in den heutigen Tagen, wo Israel nicht mehr als Volk das Land Canaan bewohnt, sondern überall hin zerstreut ist. Jetzt giebt es nicht mehr eine judenchristliche Gemeinde, die in dem eigenen Lande ihres Volks wohnte, denn Palästina ist heute für die dort lebenden ebensosehr Fremde als für die anderen Juden. Heute ist es Pflicht der Christen aus Israel der christlichen Kirche in den Ländern sich anzuschließen, welche sie ausgenommen haben, d. h. nicht gerade an die sogenannten Landeskirchen, aber jedesfalls an eine der bestehenden Kirchen aus den Völkern. Das Volksthum soll jetzt nicht ein unterscheidendes Merkmal der Kirchen sein; eine Kirche Israels als besondere Kirche war eben nur denkbar bis zur Zerstörung Jerusalems und soll erst dann wieder errichtet werden, wenn Israel sein Land erhält. Wenn Israel wieder sein altes Erbe zurückempfängt, dann wird die Zeit einer Judenkirche gekommen sein. Das ist der richtige Gedanke, welcher den Bestrebungen Lichtensteins zu Grunde liegt. Er hält fest an der Verheißung, aber verlegt in die Gegenwart, was Sache der Zukunft ist. Und sein zweiter Jrrthum ist der, daß er nicht merkt, wie das Vorbild nur schattenhaft war. Nachdem das alte Vorbild zerschlagen ist, nachdem das Israel, welches Jesum verwarf, seit der Zerstörung Jerusalems ganz aus Canaan vertrieben ward, steht ein Neues in Aussicht, das nicht mehr bloß in den schwachen, dürftigen Satzungen wiederhergestellt wird, sondern in größerer Klarheit. Das