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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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30 Gottes Reich bestand während der alttestamentlichen Zeit nur unter einem Volk, dem Vz>lke Israel. Aus dieser Enge sollte es heraustreten; und weil die Juden ungehorsam waren, durften alle Völker mit ihren Sitten und ihrer Art in das neue Reich Gottes einkommen. Zu dieser Erkenntniß führte Gott selbst den Petrus durch das Gesicht von dem Tuch mit den reinen und unreinen Thieren. Schlacht und iß, sagte die göttliche Stimme dem Petrus und muthete ihm so Übertretung des mosaischen Gesetzes zu. Petrus verstand die göttliche Weisung. Als ihm sogleich darauf der Befehl wurde zu dem Hauptmann Cornelius zu gehn, that er es; er nannte es wohl bei jenem Heiden ein ungewohntes Ding für einen jüdischen Mann in ein Haus eines Nichtjuden zu treten und eine Gemeinschaft mit demselben einzugehn, bei welcher er doch gegen seine Volkssitte arg verstieß, aber er berief sich daftir, daß er es dennoch that, auf eine göttliche Offenbarung. Nicht nach eigenem Ermessen hat er den Augenblick herbeigeführt, wo er die jüdische Nationalordnung bei Seite setzte, sondern Gott selbst hat es ihm gezeigt 1) daß es nicht so geschehen würde, wie bisher, wo heidnische Proselyten nur durch ihre Unterwerfung unter das mosaische Gesetz vollkommene Glieder des Reiches Gottes wurden und 2) daß auch die Juden selbst in der gegenwärtigen Zeit zur Erhaltung der Gemeinschaft in dem einen Namen Jesu mit allen Heiden die Schranken ihres Gesetzes, soweit dieselben trennend zwischen sie selbst und jene träten, wegräumen sollten. Petrus ißt mit den Heiden, er thut das, was hernach Paulus so bezeichnet hat, „er wird den Heiden ein Heide." Die nationalen Schranken müssen überall da fallen, wo sie der Liebe entgegenstehn, sie haben nur so weit noch ihr Recht, als sie die Liebe nicht hindern. Aus dieser Erkenntniß heraus sehn wir auch Petrus in Antiochia handeln. Dort ißt er mit den heidnischen Brüdern, und erst als Judenchristen zu ihm kamen, entzog er sich der früher gepflegten Gemeinschaft. Dafür aber nennt ihn Paulus einen Heuchler, einen solchen, der wider besseres Wissen handle. Paulus schilt ihtl nicht, daß er heidnisch gelebt hat, sondern daß er, der vorhin recht gehandelt, mit einem Male sich vor den Juden verstellt. Der Christ also soll die nationalen Ordnungen nie zu einer Störung in der brüderlichen Ge-

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