Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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29 hätte. Der größte Theil dieses Gesetzes sind ja die Opfervorschriften, die allzumalauf das Opfer Jesu Christi hiqzielten. Trat Israel in das Reich der Erfüllung ein, so empfing es auch ein Volksgesetz, das sich zum mosaischen wie das Gegenbild zum Vorbild verhielt. Auf der Stufe des Alten Testaments mußte Israels Volksgesetz das mosaische sein, auf der Stufe des Neuen Testaments wäre es von selbst ein anderes geworden. Selbst wenn Hesekiel noch ganz mit den Farben des Alten Testaments seinen neuen Tempel zeichnet, weicht doch schon das Bild desselben bedeutend ab vom Bilde des alten Tempels. Also darf es nach deS Propheten Gedanken nicht immer beim Vorbild nur bleiben, wenn gleich er selbst, der das Neue noch nicht erlebt, die Herrlichkeit desselben nach dem Vermögen des Alten darstellt. Aber wenn nun so das neutestamentliche Israel für sein Volksleben an daS väterliche Gesetz nicht gebunden war, so wäre es doch strafbarer Leichtsinn gewesen dasselbe so schnell zu durchbrechen. Solcher Leichtsinn fand sich bei den Aposteln nicht. In den Tagen des Heilandes selbst durfte es dazu nicht einmal geschehn, denn „das Gesetz mußte ja eben da gerade recht vollkommen durch Jesum erfüllt werden." Die zwölf Apostel, welche Apostel Israels hießen, wollen auch Apostel ihres Volks zuerst und vor Allem bleiben. Deshalb bleiben sie auf dem nationalen Boden Israels, deshalb sind sie sammt jener Christengemeinde zu Jerusalem Eiferer um das Gesetz. Sie wollen ihr Volk gewinnen, sie wollen es, wenn möglich, als Volk zu Christo führen; so lange sind sie um Gottes willen genöthigt die Ordnungen dieses Volks anzuerkennen. An ihrem Volk hätten sie gesündigt, wenn sie nicht also gehandelt hätten. Aus Liebe zu ihrer Nation halten sie auch jetzt noch an dem väterlichen Gesetz, welches bisher gehalten werden mußte. Es hat also die Frage um die Gemeinde des Heils und deren Formen mit der Frage um die Volksgemeinde gar nichts zu thun, wenn es sich in der ersten israelitischen Christengemeinde um die Beobachtung des nationalen Gesetzes handelt. Die beiden Fragen „Gemeinde des Heils" und „Volkögemeinde Israel" wollen ganz auseinander gehalten werden. Eine politische Sache, nur noch unter dem allgemeinen Gesetz der Liebe stehend, wird, was so lange eine religiöse Sache war.