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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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28 Auf Grund solcher Lehren ist er nun selbst Christ geworden, hat sich selbst getauft und mit ihm haben eine Anzahl anderer Volksgenossen das Christenthum in dieser von ihm gelehrten Form angenommen. Dieselben haben sich ins Gesammt auf den Namen des dreieinigen Gottes selbst getauft. Lichtenstein hofft, daß der von ihm geleiteteten Bewegung viele andere Juden sich anschließen werden, und fordert von den Christen nur Anerkennung dieses Standpunktes, damit alsdann Tausende aus Israel zur Kirche kämen. Die Sache zu fördern hat er in Berlin eine hebräische Schrift erscheinen lassen, deren deutscher Titel lautet: „Buch der Lehren der Propheten (Lelsr limmude lianebiim)." Im Namen gerade des Neuen Testamentes fordert Lichtenstein Anerkennung für seine Bestrebungen und will sich durch Stellen des Neuen Testamentes Eingang bei den Juden verschaffen. Es ist allerdings höchst erfreulich, wenn von einem Israeliten selbst anerkannt wird, daß eine Verachtung oder Herabsetzung des jüdischen Volks vom Neuen Testament nicht beabsichtigt ist. Mit Recht wird nicht bloß von Christo dem Herrn selbst und feinen ersten Aposteln, sondern auch von Paulus dargethan, daß sie in keiner Weise etwas zur Herabsetzung des jüdischen Volks gesagt oder gethan hätten. Aber Lichtenstein hätte auch gerade von seinen Principien aus zu größerer Klarheit kommen sollen. Indem er den Apostel Paulus gelten läßt, muß er auch wissen, daß derselbe z. B. im Galaterbrief, wo er am Ausführlichsten die Bedeutung des mosaischen Gesetzes seit Christo entwickelt, sagt „das Gesetz ist zwischen eingekommen," zwischen die Verheißung und die Erfüllung; die Erfüllung also ist seine Grenze. Und weiter sagt er „wir sind nicht mehr unter dem Zuchtmeister;" das „wir" aber geht auf die Juden, denn nur diese überhaupt haben jemals unter dem Gesetz gestanden, nicht die Heiden. Das Werk des ZuchtmeisterS an den Juden hat das Gesetz erfüllt, es hat seinen Dienst gethan, nun kann es aufhören. Grundsätzlich also zu behaupten, es müsse noch weiter bestehn, ist falsch, ist eine falsche Auffassung von der Bedeutung des mosaischen Gesetzes, das erst 430 Jahre nach der Verheißung gegeben ist und bis zum Eintritt des von ihr Geweissagten dauern sollte. Das Gesetz würde daher auch nicht einmal in dieser mosaischen Form fortgedauert haben, wenn Israel sich bekehrt

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