Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554775--05069-2561016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24 Tag, wie tief die Juden mit dem Leben der Völker, unter welchen sie wohnen, verflochten sind. Und selten wird das Vertrauen, welches sie zu solchen Stellungen beruft, in einer die staatlichen Gesetze schroff verletzenden Weise getäuscht. Man muß vielmehr überhaupt anerkennen, daß die Gerichte im Allgemeinen eine verhältnißmäßig geringere Zahl von Vergehen und Verbrechen der Juden zu ahnden haben. War 1866 schon der 71. Mensch in Preußen ein Jude, so wurde doch erst der 94. wegen eines Verbrechens bestraft und der 80. wegen eines Vergehens. Freilich fällt dabei in's Gewicht, daß die Juden viel öfter in einer Lebenslage sich befinden, welche ihnen manche Versuchungen aus dem Wege räumt, denen besonders die ärmeren Klassen leicht unterliegen. Akte roher Gewalt, des Raubes, des Mordes, des Todschlages, des gewaltsamen Einbruches und Diebstahles oder solcher Excesse, bei denen es zu Thätlichkeiten kommt, bemerkt man, wie die obige Nachweisung es auch ergiebt, seltener unter den Juden, viel häufiger Vergehen gegen die Ehrlichkeit im bürgerlichen Verkehr. In der Entwickelung der Zeit liegt es, daß die früher geltenden Religions- und Standesunterschiede mehr und mehr schwinden, um anderen gesellschaftlichen Bildungen Platz zu machen. Nachdem der Staat aber allen seinen Bürgern gleiche Pflichten auferlegt hat, ist er auch nicht mehr in der Lage die gleichen Rechte zu versagen. Die Juden setzen hier mit ihren Forderungen ein, und man darf nicht sagen, daß sie damit wider die Billigkeit oder Gerechtigkeit handelten. Die bisher den Juden entgegengestellten politischen Beschränkungen fallen auch von Jahr zu Jahr in steigendem Maße, und die Rührigkeit der Juden, welche überdem die Macht des Geldes, der Presse und der neueren Bildung sich zu Nutze zu machen verstanden haben, läßt sie jeden gegebenen Vortheil alsbald auf's Geschickteste verwerthen. Man darf sich der Erkenntniß nicht verschließen, daß sie, nachdem sie durch die Bresche der eroberten Festung eingezogen sind, auch das Recht des Siegers im vollen Maße auszubeuten verstehn; sie begnügen sich nicht mit einer, soll man so sagen, einfach theilenden Stellung, sondern wollen die Führer der allgemeinen Bewegung, die Führer der modernen Gesellschaft werden. 1