Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 fangen unterworfen, doch sind sie gerade dort ein Mittelglied der Gesellschaft in Allem, was Handel und Wandel heißt, ja sie sind es in so hohem Grade, daß auch, wer ihre Vermittelung umgehen will, es nicht kann. Größere politische und sociale Freiheit wird Rußland ihnen wohl in Kurzem einräumen. In Brasilien dürfen die Juden noch keine Synagogen besitzen. Die Türkei dagegen hat ihnen neue Bahnen eröffnet. Zu der höchsten berathenden Behörde dieses Landes, dem Staatsrath, sind neuerdings 64 Personen berufen worden, darunter 3 Juden; auch in Jerusalem gehören seit jüngster Zeit 2 Israeliten zu dem dortigen Magistrat. Sonst werden Juden bereits in fast allen gesetzgebenden Versammlungen der constitutionellen Staaten gefunden. Das englische Parlament zählt 6 Israeliten, das nordamerikanische und australische noch mehr derselben, in Preußen ist neuerdings ein Jude auch Mitglied des Herrenhauses geworden. Höhere Staatsstellen findet man in vielen Ländern ihnen eingeräumt. Schon länger ist dies in Frankreich der Fall, aber auch in Oesterreich und Baden sind Juden vor wenigen Monaten Minister geworden. Die drei höchsten Gerichtshöfe des Staates New-Dork haben Israeliten zu ihren Präsidenten, der intimste Freund und die rechte Hand in dem Ministerium Cavours war ein Jude; in der französischen lind österreichischen Armee findet man auch jüdische Offiziere, und fast scheint die preußische darin vereinzelt dazustehn, daß sie nur im Sanitätscorps jüdische Offiziere aufzuweisen hat. Nicht wenige Israeliten in den verschiedensten Ländern haben Adelsprädikate erlangt. Rußland, England, Frankreich, Oesterreich und Preußen kennen in größerer oder geringerer Anzahl jüdische Adelsfamilien. Aber auch in den Städten und Gemeinden, welchen die Juden angehören, nehmen sie immer mehr und mehr hervorragende Stellungen ein. Die Stadtverordneten-Versammlungen, die Magistrate, die Lehranstalten, einschließlich der Universitäten, die Vereine zählen oft zu ihren wichtigsten und leitenden Mitgliedern Juden, und zwar ist dies eine sehr allgemeine Erscheinung der verschiedensten Staaten; ist es doch bekannt, daß der Lord Mayor von London zu wiederholten Malen Israelit war. Gerade in derartigen Wahlen tritt es an den