Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554773-2554775--05067-2561014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 In Preußen ist erst der 73. Mensch jüdischer Religion, auf den Gymnasien aber war 1866 schon der zwölfte Schüler ein Jude; also gab es sechsmal mehr jüdische Gymnasiasten, als die israelitische Bevölkerung hätte erwarten lassen sollen. Auf den Progymnasien dagegen war der 20. Schüler ein Jude, auf den Vorschulen der 25. Mit der Höhe der Bildungsanstalten wächst das Verhältniß der jüdischen Schüler. Es ist bekannt, daß gerade die höheren Schulen auch die weiteste Möglichkeit bieten einflußreiche Stellungen im späteren Leben zu gewinnen. Wir machen deshalb dieselben Bemerkungen, wenn wir die Realschulen berücksichtigen. Wiederum war in denen erster Ordnung der 10. Schüler jüdisch, in denen zweiter Ordnung der 12. und auf den höheren Bürgerschulen der 25. Selbst Rußland weist eine auffallend große Zahl jüdischer Schüler in den höheren Unterrichtsanstalten auf, 3^ mal mehr im Verhältniß als von allen anderen Einwohnern Rußlands findet sich in denselben. Mit Ausnahme von Spanien, Rumänien, Brasilien und theilweise Rußland haben nun auch alle sogenannten Culturstaaten die früheren politischen oder socialen Beschränkungen der Israeliten aufgehoben. Spanien scheint gleichfalls seit den Tagen der neuesten Revolution in die Reihe der Länder eintreten zu wollen, welche die Emancipation der Juden bewerkstelligen. Dieses Land, Jahrhunderte hindurch das zweite Palästina der Israeliten, hatte dieselben nach schrecklichen und unmenschlichen Verfolgungen ganz aus seinen Grenzen vertrieben. Vereinzelt waren sie wohl hier und da in Spanien zu finden, aber die Erlaubniß Gemeinden zu bilden war ihnen nicht gegeben, und zur Beschneidung jüdischer'Knaben mußten Cultusbeamte aus Frankreich herüberkommen. Die Greuelthaten von Rumänien, welches den größten Theil seiner Juden als Vagabonden vor dem Gesetz aus dem Lande vertreiben wollte, sind in frischem Andenken, und wie sich die Lage der Juden für die nächste Zeit daselbst gestalten wird, ist noch nicht abzusehn. In den polnischen Ländern waren und sind zum Theil (wenigstens unter russischer Herrschaft) die Juden noch manchen Beschrän-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.