Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554775--05066-2561013- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 Ueberdem wimmelt derselbe von den größten Widersprüchen, indem ein Ja immer wieder durch ein Nein aufgehoben wird, so daß der Talmud selbst bei den Streitigkeiten von Weisen oft sich nur dadurch helfen kann, daß eine Stimme vom Himmel beiden Theilen Recht geben muß. Das machen sich denn die Reformer zu Nutze und erklären die allerwiderstrebensten Ansichten als berechtigte Anschauungen derselben Sache. Die größte Schwierigkeit ist jedesfalls gehoben, wenn Alles recht rrnd richtig wird als eine Seite des Ganzen. Nachdem nun die Reformer den Orthodoxen gegenüber ihre Stellung gesichert haben, greifen sie dieselben aber noch principieller an. Sie erklären, es sei durchaus wider den jüdischen Grundsatz den Strom mit einem Male eindämmen zu wollen. Derselbe müsse vielmehr weiter fortgeführt werden, und gerade jetzt, wo die Vernunftentwickelung eine so ungeheure sei, müsse man eben deshalb zugeben, daß die Entfaltung der religiösen Ideen einen bedeutenden Fortschritt aufzuweisen haben werde. Denn daß die religiöse Entwickelung in der Jetztzeit nicht auch statthabe, geben die Reformer principicll nicht zu, und die Orthodoxen haben jedesfalls nach allem Früheren nicht die Mittel den Reformern auf ihrer Seite diesen Mangel zu beweisen. Mit dem Stichwort der Einseitigkeit gegenüber der Allseitigkeit und mit Waffen, die im orthodoxen Lager selbst gefunden werden, wissen die Reformer sich schon zu schützen. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Volksverhältniffe. (Schluß.) Wie nun einerseits das Bestreben: in der Zeit Geltung zu finden, die Juden ganz bestimmten politischen Parteien zuführt, so erkennen wir andererseits dasselbe auch in der außerordentlich bemerkenswerthen Benutzung der höheren Unterrichtsanstalten, welche den Weg ebnen, um einmal eine bedeutendere Stellung in unseren gegenwärtigen Verhältnissen einzunehmen.