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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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20 und social eine ganz andere Stellung behaupten, auch sie keineswegs der Gesellschaft und dem Staatsleben fern bleiben, auch sie vielmehr Alles, was beide bieten, als ihr Recht in Anspruch nehmen, auch sie auf diesen Gebieten nirgends eine Schranke mehr dulden, und geben überall das fpecifische Judenthum dran, wo ihnen die Wahl gestellt wird: den Forderungen deö Talmud gerecht zu werden oder die Güter und Genüsse der Gegenwart zu gebrauchen. Auch die orthodoxesten Judenopfern durchaus den Sabbath, wo es sich z. B. darum handelt ihre Kinder in den höheren christlichen Lehranstalten unterrichten zu lassen oder ein Staatsamt anzunehmen; sie klagen, daß es ihnen nicht anders möglich sei als mit Uebertretung des Gesetzes so zu handeln, aber eS kommt ihnen nicht von ferne in den Sinn gleich ihren Vätern da zurückzutreten und von dem abzustehn, was den Conflikt zwischen ihrem Gesetz und dem Wunsch die Gegenwart auszunutzen herbeiführt. Deshalb zeigen nun die Reformer den Orthodoxen, daß sie durchaus keine Orthodoxe mehr seien und kein Recht hätten die Anderen, welche die Consequenzen zieh» wollen, auf halbem Wege festzuhalten. Die Reformer bestreiten es den Orthodoxen, daß man auf dem Gebiet deS öffentlichen Lebens vom Talmud sich lossagen und doch auf dem Boden der Familie und der Synagoge seine unbedingte Geltung behaupten dürfe. Sie haben allerdings Grund zu sagen: „Entweder ganz oder gar nicht," und ihrerseits eine Freiheit zu beanspruchen, welche ihnen erlaubt das ganze jüdische Leben nach dem, was in der Gegenwart ihnen rathsam erscheint, zu gestalten. Schn wir aber so die Orthodoxen einerseits den Talmud festhalten, andererseits ihn praktisch verwerfen, dann ist allerdings ihr Widerspruch gegen die Neuerer kein eigentlich principieller, sondern nur ein gradweiser. Deshalb rechtfertigen die Reformer mit Erfolg ihr Verfahren zu behalten, was ihnen beliebt, und thun dies um so mehr, da sie den Orthodoxen beweisen können, daß der Talmud auch selbst einen Unterschied von Gutem und Schlechten in seinen Schriften zu machen nöthigt. Denn es ist nicht schwer zu beweisen, und braucht an dieser Stelle nicht wieder neu mit Beispielen belegt zu werden, daß neben Wahrem und Schönem und Trefflichem auch viel Schmutziges und Verwerfliches im Talmud enthalten ist.

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