Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 kennen, so behaupten die Reformer, daß es bei dieser Entfaltung nicht allein vom Unklareren zum Klareren, sondern auch vom theilweise Falschen zum Wahren fortgehe r was auf einer früheren Stufe Wahrheit gewesen, ist es daher noch nicht auf einer späteren. Nach den Reformern ist ja etwa Offenbarung dasselbe, was sonst allgemeine Vernunstentwickelung genannt wird. Daraus ziehn die Reformer den Schluß, daß die Vernunft und also auch, was man Offenbarung nennt, immer mehr und mehr die rückwärts liegenden Jrrthümer, welche man seiner Zeit zu erkennen noch nicht die Kraft hatte, abftreifen müsse. Allerdings aber ist es wahr, daß die Reformer gern das Wort „falsch" selbst von Früherem vermeiden, weil es ja zu seiner Zeit Wahrheit gewesen ist, und die Wahrheit überhaupt nur die jedesmalige Zeiterkenntniß der Menschen ist. Jedoch weisen sie es dann, wenn es in späterer Zeit festgehalten werden soll, als völlig unberechtigt zurück. Die Orthodoxen bezeichnen das Offenbarte als ein in jeder Zeit Richtiges, das aber aus sich selbst heraus immerdar fortschreitet. Von hier aus bestimmt sich auch ihre Stellung zu den Offenbarungsurkunden. Die Schrift Alten Testamentes, sagen sie, sei die . erste Urkunde der Offenbarung, aber auch nur die erste; denn wie die Vernunft sich immer mehr entfaltet habe, so sei auch Schritt vor Schritt die Offenbarung weiter fortgegangen. Daher sei denn die Offenbarung nicht auf das Alte Testament beschlossen geblieben, sondern habe sich im Anschluß an das Alte Testament fortgesetzt. Der Geist Gottes sei es ja, welcher die Offenbarung der menschlichen Vernunft mittheile. Daher seien denen, welche wie Abraham von demselben sich haben belehren lassen, immer neue Aufschlüsse zu Theil geworden. Dies sei nun historisch allein im Gebiet des Judenthums geschehn, das an der durch Abraham gelegten Grundlage feftgehalten, und so sehen wir, daß der Geist Gottes seine offenbarende Wirksamkeit in den Weisen des Talmud, der Auslegung des Gesetzes Mosis, geübt habe. Was diese gelehrt, sei daher für die Juden ebensosehr bindend, als was das Alte Testament enthalte. Die Reformer stellen den Orthodoxen ein Mehrfaches entgegen. Zwar genöthigt ihr eigenes Verhältniß zum Alten Testament und zum Talmud darzulegen, sollte man nach allem Früheren denken, würden sie hier keinen Zweifel aufkommen lassen. Aber dem ist nicht so, und