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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 16

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Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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16 der Menschheit nicht gehorcht haben und ihre eigenen Wege gegangen sind. Israels Geschichte, nach den Ansichten der Reform gemessen, wird so zu einem Verbrechen für das Volk, und gerade diese Geschichte sollte doch vielmehr die Juden lehren, daß die Wahrheit nicht von der Majorität der Menschen, sondern allein von oben her sich bestimmen läßt. Oder prüfen wir noch einmal die gehörten Reformgrundsätze. Was heißt es: „die Stimme der Menschheit, d. h. die Gedanken derselben sind der Inhalt des Autoritätsglaubens?" Müssen wir nicht ehrlicher Weise bekennen: Gegenstand und Ziel des Strebens der Menschen in ihrer überwiegenden Mehrheit war im Grunde nur Irdisches, es mochte nun mit dem Wissen oder dem Genießen oder der Kraftentfaltung auf dem Gebiete des Erden- und Zeitlebens zu thun haben? Oder, soweit das Streben einen religiösen Inhalt hatte, müssen wir nicht zugeben, daß als Allgemeines sich etwa nur dies herausstellt: „es giebt ein Göttliches und der Mensch hat eine Beziehung zu demselben?" Bei diesen blassen Ideen aber müßten wir stehn bleiben, denn die Frage über die bestimmte Gestalt und concrete Wirklichkeit dieses Göttlichen oder das Verhältniß, welches der Mensch zu demselben einnehmen muß, wurde von der Mehrheit immer im Sinne des Götzendienstes oder unter den Gebildeten nach Christo später im Sinne des Christenthums entschieden, jedesfalls hat sich stets der Verstand der großen Menge gegen das Judenthum erklärt und thut es auch heute noch trotz der veränderten Stellung, welche den Juden eingeräumt ist. Schließen wir endlich folgerichtig nach den Principien des Reformjudenthums, so würde sich ergeben: Weil das Göttliche sich so widerspruchsvoll in der Menschheit äußert, darum muß es ein in sich selbst Zerspaltenes sein, denn keine Wirkung ohne Ursache. Jedesfalls würde damit sich am Besten dann der Götzenglaube reimen, der Glaube an einen einigen Gott aber durchaus der unrichtige sein. Man sieht, wohin es führt, wenn der Grundfehler gemacht wird, Alles von unten auszubauen und überall vom Menschen auszugehn, als sei er selbst der Quell der Wahrheit und als habe er sie nicht vielmehr aus dem Brunnen zu schöpfen, der allein Gott selbst ist. Man sieht,

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