Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 heiten. Die Wahrheit ist also in einem beständigen Fluß begriffen, und die Fortführung dieses Flusses übernimmt der Verstand. Der Verstand des Einzelnen prüft als oberster Gerichtshof die allgemeine Auffassung des Göttlichen in jeder Zeit, er entscheidet sich für oder gegen die Annahme des Vorgefundenen und entwickelt dasselbe weiter, so daß es wieder zum allgemeineren Besitzthum eines neuen Geschlechtes wird. Wenn also von Offenbarung die Rede ist, so handelt es sich für die Reformer nicht darum; wie ist das Verhältniß von göttlicher Mittheilung der nicht gekannten Wahrheit an die Menschen zur Vernunft derselben zu denken, sondern wie stehn auf religiösem Gebiet die große Menge der Menschen und der Einzelne zu einander. Wir sehn, es ist Alles auf das menschliche Gebiet verlegt. Aber hat die so verstandene Autorität einmal ihr Recht innerhalb der Menschheit, dann würde, gerade nach diesem Maße gemessen, stets der Götzenglaube die höchste Geltung für sich in Anspruch nehmen müssen; denn wie bisher immer, so ist auch heute noch die allergrößte Zahl der Menschen in das allertieffte Heidenthum versunken. Die Reformzeitschrift sagt: „keine Wirkung ohne Ursache," das ist ein Grundgesetz des menschlichen Geistes, und eben hiernach würden wir bei Beobachtung der Herrschaft des Götzendienstes in allen Zeitaltern auf dem weitesten Gebiet der Menschheit genöthigt sein ihm unter allen Religionen die Palme darzureichen, jedesfalls sein unveräußerliches Recht ihm zuzugestehen. Nun erkennt man nach den Reformprincipien zwar keinen Grund, warum die Frage über das, was zu jeder Zeit Wahrheit ist, etwa nur auf die sogenannten Culturvölker beschränkt werden sollte, denn „Menschheit" ist doch einmal die ganze Zahl der Menschen ohne Ausnahme, aber erlauben wir uns trotzdem für einen Augenblick diese Beschränkung. Dann hätten in alter Zeit die großen asiatischen Völker oder die Griechen und Römer in ihren religiösen Gedanken Recht gehabt und in neuerer Zeit das Christenthum, jedesfalls das Judenthum stets Unrecht, denn es nannte immer nur eine verschwindend kleine Zahl von Menschen die Bekenner seines Glaubens, und es ist daher unverantwortlich von jeher von Seiten der Juden, daß sie der Stimme