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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14 Alles zu denken oder zu durchsuchen ist, und eben dieses müssen wir von Anderen annehmen, erhalten. So sind denn beide nöthig, Verstandeskritik und Autoritätsglaube, aber sie wollen sich beide aus dem Felde schlagen, steifen sich auf ihr Eigenes und vernichten sich. Der Buchstabe ist oft eine Hülle, den Kern für die bessere Zeit zu bewahren, die Kritik spaltet dann die harte Hülse; die Hülse erdrückt nicht den Kern, das Messer zerschneidet ihn nicht. Die Extreme gleichen sich immer wieder aus. Aber wie ist diese Ausgleichung zu erlangen? Die Frage ist nicht endgültig zu lösen für die Menschheit, sie ist die Arbeit des Geschlechts, nicht des Individuums. Jedes System ist nur individuell, individuell für Jeden in seiner Zeit ist die Lösung nur zu geben. Der Boden einer festen Grundlage ist dann die Stimme der Menschheit, d. h. die Gedanken, welche die Menschen von ihrem Ursprung her gehabt, gehalten, entwickelt haben. Dies der Inhalt des Autoritätsglaubens. Was überall zum Vorschein kommt als Gegenstand und Ziel, ist für den Menschen eine Wahrheit, denn es kommt aus der Tiefe des menschlichen Wesens selbst. Was eine Zeit aufstellt, die andere zerschlägt, ist ein Extrem. Das ist festzuhalten, was in den Gegensätzen und in den verschiedenen Gestalten als höchster Gedanke zum Vorschein gekommen ist. Alles ist Wirkung einer Ursache, daher die Gotteöidee ein unveränderliches Produkt unseres Geistes. Der Gottesglaube ist die positive Grundlage für jeden Menschen, aus der Geschichte der Menschheit und den Grundgesetzen des Menschengeistes herausgewachsen." Treten wir dem so Ausgeführten näher, so erkennen wir, was als Autorität geltend gemacht wird, ist nicht das Göttliche, wie es dem Menschen sich kund thut, um von ihm einfach angenommen zu werden, es ist nicht die über und außer dem Menschen bestehende ewige Wahrheit, welche demselben sich zu erkennen giebt, um so das Eigenthum desselben zu werden, sondern Autorität ist für die Reformer diejenige Vorstellung des Göttlichen, welche überall in der Menschheit zum Vorschein kommt. Man verzichtet auf eine feststehende Wahrheit, welche eben deswegen Geltung zu jeder Zeit fordert, sondern kennt als Wahrheit nur „das Göttliche in der jedesmaligen allgemein menschlichen Auffassung." Es giebt nurZeitwahrheit oder Zeitwahr-

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