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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13 sich der Orthodoxie rühmen, dies lernen, daß Gott der zuerst Rufende und Abraham der Hörende oder Gehorchende war. Daß Abraham glaubte, wird ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, nicht aber wird er um deßwillen, was vor seiner Berufung lag, gepriesen. Bei den heutigen Orthodoxen dagegen geht Alles von Abraham aus: der Mensch ist der Erste, Gott tritt hernach ein. Eine ernstliche Trübung der Vernunft, so daß ihnen eben dadurch die absolute Nothwendigkeit der Offenbarung'deutlich würde, kennen die Orthodoxen nicht; ihnen ist die Vernunft an sich schon ein brennendes und scheinendes Licht auch in göttlichen Dingen, nicht ein Licht, das zwar selbst dunkel ist, aber die Fähigkeit hat durch die Flamme der Offenbarung entzündet zu werden. Da ist es denn natürlich, daß die Reformer nun größeren Ernst mit den unter den Orthodoxen geltenden Principien machen, indem sie überall die Vernunft als das Erste, und, man darf wohl sagen, Einzige in den göttlichen Dingen hinstellen. Die Einseitigkeit, welche auf religiösem Gebiet vor Allem die Vernunft und nicht den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, wird an dieser Stelle von den Reformern auf's Völligste ausgebildet. Die Reformer sind im Grunde nur Kinder der Orthodoxen, aber sie gehn auf den von diesen eingeschlagenen Wegen weiter. Haben ihnen die Orthodoxen eine wahrhafte innere Nothwendigkeit der Offenbarung nicht darthun können, so werfen sie dieselbe nun auch, bei Lichte betrachtet, consequenter über Bord. Sie übertragen Alles auch auf religiösem Gebiet der Vernunft und weisen die Offenbarung überall von der Stelle zurück, die ihnen die Orthodoxen noch zugestanden haben. Hören wir aber selbst eine Stimme aus dem Lager der Reform. Wir finden in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" einen Aufsatz: „einige Gedanken über Autoritätsglauben und Verstandeskritik." Da heißt es, beide sind Seiten des einen Geistes. Der Verstand muß alles Gefundene und Entgegengebrachte prüfen, um es zu begreifen, es sich aneignen oder zurückweisen, als wahr oder unwahr ansehn. Aber ebenso müssen wir Ueberliefertes entgegennehmen und zu unserem geistigen Eigenthum machen. Da wir nicht Alles selbst finden und zu prüfen vermögen, müssen wir einen festen Boden haben, von dem aus

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